Nicole tritt am 16. Mai mit ihrer Band im Amo Magdeburg auf.

Nicole, Sie haben neulich das wohl ungewöhnlichste Konzert Ihrer Karriere gegeben: in einem Flugzeug. Wie kam es dazu?
Nicole: Meine Musiker und ich haben zuletzt in Kirchen gespielt. Als wir überlegten, wie man das noch steigern könnte, meinte einer: "Näher zu Gott geht`s nur noch über den Wolken!" Ich fand die Idee gut! Ein Jahr später erfuhr ich, dass die Fly-and-Help-Stiftung einen Flug nach Namibia plante, verbunden mit Benefiz-Konzerten dort vor Ort. Das passte perfekt: Afrika ist mein Lieblingskontinent, auf dem neuen Album trägt sogar ein Titel diesen Namen. Also habe ich mich beim Gründer der Stiftung gemeldet, denn den kenne ich schon lange.

Im Flieger konnten Sie sicher nicht gestenreich performen.
Wir haben uns an die Notausgänge gestellt, weil dort mehr Platz war. Die Leute haben so sehr geklatscht, es war irre.

Am lautesten war der Applaus wohl bei "Ein bisschen Frieden." Das Lied begleitet Sie seit 33 Jahren. Nervt es Sie manchmal, es immer wieder zu singen?
Nein. Jedes Mal, wenn ich es singe, sehe ich diese vielen Menschen beim Grand Prix vor mir, die aufspringen und applaudieren. Und in der heutigen Zeit merke ich verstärkt, dass sich die Menschen nichts sehnlicher wünschen als ein bisschen Frieden. Schauen wir uns doch die Nachrichten an: Syrien, Ukraine. Wann immer ich das Lied jetzt anstimme, ist es aktueller denn je. Die Leute fassen sich an die Hand, manche weinen auch.

Damals beim Grand Prix saßen Sie einfach mit Ihrer Gitarre auf einem Stuhl und haben gesungen. Heutzutage gibt`s auf der Bühne Feuerwerk und Tänzerscharen. Wie viel können Sie damit anfangen?
Ich bin eher der Unplugged-Typ. Ich habe jetzt fünf Jahre akustisch gespielt. Wo andere aufstocken, wollte ich reduzieren. Denn das ist für mich die Königsdisziplin. Ich mag es, wenn die Leute jeden Atemzug hören.

Und privat? Mögen Sie da auch mal eine bunte Schlagershow?
Ich sehe mir lieber die Unplugged-Konzerte von MTV an - Metallica fand ich sensationell. Da konzentrieren sich die Musiker auf die Musik. Die großen Shows haben einen anderen Anspruch, es ist Entertainment und hat natürlich auch seine Berechtigung. Aber ich möchte, dass die Leute etwas Tiefgehendes mitnehmen.

Vor fünf Jahren gewann Lena Meyer-Landrut als zweite Deutsche den Eurovision Song Contest, wie der Grand Prix jetzt heißt. Wie fanden Sie ihren Auftritt?
Außergewöhnlich. Das Outfit war nicht sehr anders als meines: hochgeschlossen. Man hat sich auf das Gesicht konzentriert. Das zeigt, man kann auch ohne diesen Firlefanz auskommen, sich allein auf die Bühne stellen und einfach singen.

Haben Sie sich mal getroffen?
Leider nicht.

Das erwartet man doch aber.
Warum nicht. Aber es hat noch niemand geschafft, uns zusammenzuführen.

Sie haben mal gesagt, Sie würden nicht mehr am Song Contest teilnehmen. Nicht mal, wenn Ralf Siegel ein Knaller-Lied für Sie hätte?
"Ein bisschen Frieden" ist ein Jahrhundert-Lied, das kann man nicht wiederholen. Es war alles stimmig: die Zeit, das Lied, die Botschaft, ich. Ich möchte mich und das Lied nicht entzaubern.

Schauen Sie sich die Sendung noch an?
Einmal Grand-Prix-infiziert, ist man es immer. Ich finde es heute noch spannend - allein, wer wem Punkte zuschustert.

Sie sind dieses Jahr 50 geworden. Was war das Wichtigste, das Sie in Ihrer Karriere gelernt haben?
Geduldig sein! Mein Beruf besteht zu 50 Prozent aus Warten. Außerdem lernt man Disziplin. Ich achte auf meine Figur, die Kamera mogelt gern ein paar Kilo drauf.

Sie tragen geschätzt Größe 36. Was müssen Sie dafür tun?
Ich habe zu Hause eine "Folterkammer" in Form eines Fitnessraums, die mich dreimal pro Woche sieht. Und ich esse keine Süßigkeiten.

Oh, das tut mir leid!
Das sagen viele. Aber ich habe mich längst entwöhnt. Stattdessen esse ich viel Salat und fühle mich rundum wohl damit.

Durchhaltevermögen haben Sie auch in der Liebe: Sie sind immer noch mit Ihrem Jugendfreund verheiratet. Wie funktioniert das?
Es gibt Menschen, die ergänzen sich hervorragend, dazu gehören mein Mann und ich. Wir haben viele gemeinsame Interessen: Wir reisen gern, sind sehr gesellig und humorvoll.

Sie haben also Glück?
Absolut! Das hat man nicht oft, schon gar nicht in dieser Branche, die oft oberflächlich und schnelllebig ist. Wir haben das nicht gebraucht, sondern sind in unserer Heimat geblieben - fernab der Szene, die jedes Wochenende auf den roten Teppich ruft. So verlernt man auch nicht, durch das Scheinwerferlicht hindurchzuschauen.

Ihre Tour ist mit "Best of" überschrieben. Was war nach dem Grand-Prix-Sieg der beste Moment Ihrer bisherigen Karriere?
Nach dem Sieg bin ich eingeladen worden nach Tel Aviv. Denn zum ersten Mal in der Geschichte hatte Israel einem deutschen Mädchen zwölf Punkte gegeben, und das mit einem Friedenslied. So habe ich vor den Soldaten in der Kaserne "Ein bisschen Frieden" gesungen. Ich habe immer noch das Bild vor Augen, wie diese jungen Menschen auf einer Anhöhe sitzen, die Waffen niederlegen, sich an den Händen fassen und mir einfach drei Minuten lang zuhören.