Vor 20 Jahren wurde in Genthin die erste Klingelanlage hergestellt. Damals gründete Otto Duffner zusammen mit seinem Geschäftspartner Joachim Frank das Unternehmen Tür Control Systeme (TCS).

Seitdem hat sich das Produktportfolio stark erweitert. Die neusten Geräte liefern eine Videoübertragung von der Haustür in die Wohnung. Neben den Kommunikationsanlagen kommen aus dem Hause TCS auch Systeme zur Zugangskontrolle. Zudem verkaufen die Genthiner auch Lösungen zur Gebäudekommunikation, beispielsweise Hinweisschilder.

Am Genthiner Stammsitz arbeiten 100 Mitarbeiter, weltweit sind 250 für das Unternehmen tätig. Sieben Tochterfirmen, unter anderem in China, Singapur und Australien, sollen die Vertriebswege vereinfachen. Produziert wird in Genthin sowie in einem Werk im Schwarzwald. TCS erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 25 Millionen Euro. (ba)

Genthin l Der aktuelle Produktkatalog von TCS ist ein dicker Wälzer. Mehr als 150 Seiten. 900 Artikel. "Wir sind rasant gewachsen", sagt Vorstandchef Otto Duffner. Als er in Genthin die erste Klingel mit Gegensprechanlage herstellte, gab es drei Produkte. "Unser erster Katalog hatte sieben oder acht Seiten", erinnert sich der 65-Jährige. Mittlerweile verkauft der Diplomingenieur mit seinem Unternehmen Kommunikationsanlagen auf der ganzen Welt. Tochterfirmen gibt es unter anderem in Australien, China, der Türkei und sogar auf Island. 250 Beschäftige arbeiten weltweit am Erfolg des Unternehmens.

"Mit einer einfachen Klingel lässt sich kein Geld mehr verdienen." - Unternehmensgründer Otto Duffner

TCS ist ein Wirtschaftswunder aus Genthin, das es fast nicht in Sachsen-Anhalt gegeben hätte. "Mit meinem Geschäftspartner wollte ich mein eigenes Unternehmen aufbauen", erzählt Duffner. Dafür schauten sich die Männer nach Standorten um, fuhren durch die halbe Bundesrepublik. Nach Stationen in Schwerin, in Berlin und in Magdeburg landeten sie in Genthin. Das Technologie- und Gründerzentrum empfing Duffner, der aus Baden-Württemberg stammt, mit offenen Armen. TCS gründete sich und ist seitdem aus der Kleinstadt im Jerichower Land nicht mehr wegzudenken. In dem denkmalgeschützten Fabrikgebäude einer ehemaligen Hanfspinnerei arbeiten mittlerweile 100 Mitarbeiter.

Alle Geräte von TCS werden in Deutschland produziert. In Triberg im Schwarzwald und in den Werkshallen in Genthin. Matthias Hebecker leitet die Produktion. "Vom Entwicklungsprodukt über den Prototypen bis hin zur Serienfertigung findet alles in einem Hause statt", erklärt er. Die Arbeitsplätze der Mitarbeiter sind vernetzt, jeder Schritt der Fertigung wird im Computer vermerkt. TCS hat sich für die Zukunft aufgestellt.

Denn der Markt für die Geräte zur Gebäudekommunikation ist in Bewegung. Wettbewerber wie Siedle, ABB oder Gira streiten sich mit den Genthinern um Marktanteile. International drängen Konzerne wie Bosch in die Geschäftsfelder des Gebäudekommunikationsspezialisten.

TCS hält dagegen, kann bei der Fertigung der Klingelanlagen auch individuelle Kundenwünsche erfüllen. "Durch unser Vertriebsnetz können wir die Technik bis zum Kunden vertreten. Das unterscheidet uns von den Großkonzernen", sagt Otto Duffner. Sein Unternehmen ist auch gefragt, neue Produkte zu entwickeln und weitere Geschäftsfelder zu erschließen.

"Mit einer einfachen Klingel lässt sich heute kein Geld mehr verdienen", so der Unternehmensgründer. Verzweifelt klingt er dabei nicht. Schon längst haben die Genthiner ihr Produktportfolio angepasst. Die neuesten Türsprechanlagen übertragen per Video in die Wohnung, wer gerade vor der Tür steht. Zudem integriert TCS immer mehr Funktionen in die Geräte. Vor allem für die Wohnungswirtschaft könnte sich das lohnen. "Mieter können Mitteilungen beispielsweise direkt auf den Bildschirm erhalten. Briefe oder Aushänge lassen sich dadurch einsparen", erzählt Duffner. Das setze zwar zunächst Investitionen voraus, so Duffner. Aber Videoanlagen würden auf Dauer die Audiogeräte ablösen. Das sei dem steigenden Sicherheitsbedürfnis der Mieter geschuldet.

Auch am Firmensitz in Genthin arbeitet TCS an der Zukunft. Für rund 3,5 Millionen Euro entstehen derzeit neue Gebäude. Neben Lager, Büroräumen und einer Cafeteria auch mehr Platz für die Produktion der Kommunikationsgeräte. Ende des Jahres rechnet Duffner mit der Fertigstellung. Langfristig will der Firmengründer seinen Söhnen Florian und Johannes die Geschäfte überlassen. Wann, ist noch offen. "Wichtig ist mir", sagt Duffner, "dass TCS ein Familienunternehmen bleiben wird."