Die Weltausstellung
Weltausstellungen oder Expos werden seit 1851 in unregelmäßiger Folge an wechselnden Orten und in unterschiedlichen Kategorien ausgetragen. Während anfangs technische Errungenschaften präsentiert wurden, ist die Leistungsschau seit Ende des 19. Jahrhunderts zunehmend zur kulturellen Großveranstaltung für ein breites Publikum geworden. In jüngerer Zeit dienen Expos immer mehr als Plattform für die Auseinandersetzung mit den Herausforderungen unserer Zeit: Umweltschutz, Städtebau oder Ernährung.

Für die Vergabe ist das im November 1928 gegründete Internationale Ausstellungsbüro (Bureau International des Expositions, BIE) in Paris zuständig. Beteiligt sind mittlerweile 168 Mitgliedstaaten.

Neben den großen "World Expos", die sechs Monate dauern und alle fünf Jahre stattfinden, werden auch Expos in kleinerem Umfang veranstaltet - wie zuletzt 2012 in Yeosu (Südkorea).

19 Millionen besuchten im Jahr 2000 die Expo in Hannover. Den Rekord hält Schanghai mit 73 Millionen Besuchern 2010. (dpa)

Mailand l Mehr als 140 Nationen nutzen die Ausstellung in der oberitalienischen Metropole sechs Monate lang mit ihren Ideen als Schaufenster zur Welt. Kommerz und Kultur, Politik und Wirtschaft reichen sich die Hand. Der deutsche Pavillon mit seinem Slogan "Fields of Ideas - Ideenfelder" zeigt positive Beispiele, wie nicht nur Bauern, sondern auch Bürger aus Städten einen Beitrag zu umweltschonender Agrarproduktion leisten. Die gegen Lebensmittelverschwendung kämpfenden "FoodFighters" treten ebenso als Themenbotschafter auf wie eine Stadtimkerin aus Berlin und ein niedersächsischer Apfelbauer, der Hunderte alte Sorten kultiviert.

Sachsen-Anhalt hingegen zeigt vor allem durch namhafte Institutionen Flagge. Prominent im deutschen Pavillon vertreten sind Zucht- und Forschungsinstitute aus der Magdeburger Börde. Ein "Forschungscontainer" gibt Einblick in die Arbeit des IPK in Gatersleben, eine der weltweit größten Genbanken für Kulturpflanzen, wo rund 150000 Pflanzenproben von etwa 3200 Arten für die Zucht der Zukunft bewahrt werden. Auf der Expo wird ein Ausschnitt der Genbank in Regalen gezeigt: Weckgläser für das Kühlhaus, Reagenzgläser mit Samen und getrocknete Pflanzen. Auf einem Monitor mit interaktiven Erläuterungen lässt sich die Arbeit der Forscher nacherleben.

Für die Besucher der Expo passt die Welt im deutschen Pavillon zwischen zwei Pappdeckel. Die Macher der Schau nennen sie "Seedboard", übersetzt Saat-Brett. Der handliche, multimediale Begleiter wird aufgeklappt zum Bildschirm für Filme und zur Projektionsfläche. Davon profitieren das Europäische Weizenzuchtzentrum aus Seeland und das Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (JKI) aus Quedlinburg, die sich mit dem Seedboard ansteuern lassen. Zum Beispiel: Kartoffelsorte ist von der Kraut- und Knollenfäule befallen. Der Besucher wird über eine Animation aufgefordert, mit seinem Seedboard in Genbanken die passende Resistenz zu finden und diese in die Kartoffel einzukreuzen.

Solche Forscherfreuden sind im deutschen Pavillon unter dem Stichwort Artenvielfalt versammelt. Sie ist für die deutschen Expo-Macher genauso Grundlage der Ernährung wie Boden, Klima und Wasser. Dass Wasser nicht nur Leben bringt, sondern auch zerstören kann, wissen die Menschen an der Elbe. Auf der Expo wird am Beispiel eines Projekts an der Elbe die Rolle von Auenwäldern zum Wasser- und Überflutungsschutz gezeigt.

Das Modell bildet dazu reliefartig eine Landschaft mit Fluss, Auwaldlandschaft und Kornfeld ab, Vertiefungen dienen zum Einlegen des Seedboards. Durch Kippen des Modells kann eine projizierte Flutwelle ausgelöst werden: Der Besucher sieht, wie die Wassermassen Orte und Felder überschwemmen, eine filmische Animation erklärt Abläufe und die Folgen der Flut.

Am Ende der Ausstellung gibt es als Schmankerl noch eine kreative Musikeinlage zum Mitmachen gratis obendrauf. Dann steht man auf dem Dach des deutschen Pavillons. Dort können die Besucher zwischen den Stationen der 16 Bundesländer picknicken. Sachsen-Anhalt präsentiert sich vom 27. bis 31. Mai mit eigenem Kulturprogramm. Während der kompletten Ausstellung, also bis 31. Oktober, ist dort eine kulinarische Landkarte zu sehen. Auf ihr gibt es Salzwedeler Baumkuchen. Wein und Rotes Höhenvieh dürfen ebenso wenig fehlen wie Bötel mit Lehm und Stroh - auch bekannt als Eisbein mit Erbsenpüree und Sauerkraut. Nach all der Hightech in der Ausstellung gibt sich Sachsen-Anhalt da also bodenständig - quasi zur Entspannung.