Budapest (dpa) | Ungarns EU-kritischer Ministerpräsident Viktor Orban hat die Parlamentswahl trotz deutlicher Einbußen klar gewonnen und kann weiter allein regieren. Sein rechtsnationaler Bund Junger Demokraten (Fidesz) errang mit 133 von 199 Sitzen sogar denkbar knapp wieder eine Zwei-drittelmehrheit.

Der 50-Jährige ist ein Kämpfer, der in jeder politischen Lebenslage poltert, streitet und zuspitzt. Er wuchs in bescheidenen Verhältnissen in einem Dorf bei Szekesfehervar auf, 70 Kilometer südwestlich von Budapest. Als Jurastudent in der Hauptstadt Budapest rebellierte er mit Gleichgesinnten gegen den geistlosen Obrigkeitsstaat im späten Kommunismus.

1998 übernahm Orban erstmals die Regierungsgeschäfte. Mit 35 Jahren war er damals der jüngste Ministerpräsident der ungarischen Geschichte. Als Orban 2002 überraschend die Wahl und damit die Regierungsmacht verlor, wollte er sich damit nicht abfinden. Er ließ seine Anhänger aufmarschieren und reklamierte auf "Wahlbetrug". Die regierende Linke setzte der Oppositionsführer immer wieder mit Straßenkundgebungen und Volksabstimmungen unter Druck. Die Wahl im Frühjahr 2010 brachte ihm die langersehnte Rückkehr an die Macht, noch dazu mit der verfassungsändernden Zweidrittelmehrheit für seine Fidesz-Fraktion.