Die Vorschläge für Verbesserungen für Langzeitarbeitslose dürften der letzte große Vorstoß von Andrea Nahles (SPD) in diesem Jahr sein. Die Arbeitsministerin will die eine Million Langzeitarbeitslosen in Deutschland künftig besser beraten und betreuen. Dazu sollen in den Jobcentern Schwerpunkte gesetzt werden, sagte Nahles am Mittwoch in Berlin.

Langzeitarbeitslose sollen bei der Aufnahme einer Arbeit bis zu sechs Monate lang im Betrieb betreut werden. Es gebe immer noch zu viele Abbrecher, sagte Nahles. Für das Programm stehen bis 2019 885 Millionen Euro zur Verfügung. Gut die Hälfte davon (470 Millionen Euro) sind Mittel aus dem Europäischen Sozialfonds. 33000 Menschen können damit gefördert werden. Die Umsetzung des Programms soll Anfang 2015 starten.

Heinrich Alt, Vorstand Grundsicherung der Bundesagentur für Arbeit, begrüßte bei einer Podiumsdiskussion der Friedrich-Ebert-Stiftung am Dienstagabend in Magdeburg den Vorschlag der Ministerin. "Wir dürfen diese Menschen nicht im Abseits stehen lassen", sagte Alt. Es müsse künftig mehr Angebote geben, die Langzeitarbeitslosen Wege zurück auf den ersten Arbeitsmarkt böten, so Alt. "Wir brauchen eine breite Brücke", erklärte der 64-Jährige.

In Sachsen-Anhalt sind nach Angaben der Bundesagentur in Halle rund 47000 Menschen von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen. Das entspricht gut 35 Prozent der Arbeitslosen im Land. Johannes Jakob vom Deutschen Gewerkschaftsbund DGB bezeichnete das Nahles-Programm als "ersten Tropfen auf den heißen Stein". Es sei bisher viel herumprobiert worden, sagte Jakob. "Die Politik muss endlich beginnen, Geld in Arbeit zu investieren", forderte Jakob und rechnete vor: Allein für die Grundsicherung von Arbeitssuchenden seien vom Bund im vergangenen Jahr rund 41 Milliarden Euro ausgegeben worden. "Wir müssen die Kosten dem Nutzen entgegensetzen. Dann sind auch Förderungen für Langzeitarbeitslose finanziell darstellbar", so Jakob.

Unternehmer und Präsident der Arbeitgebervertreter- und Wirtschaftsverbände Sachsen-Anhalt, Klemens Gutmann, sicherte die Bereitschaft der Firmen zu, Langzeitarbeitslose zu integrieren. "Intensivste Betreuung können wir als Unternehmen aber nicht leisten", erklärte Gutmann.

Durch das neue Konzept sollen auch Menschen mit erheblichen Vermittlungshemmnissen, etwa gesundheitlichen Einschränkungen, in Arbeit gebracht werden. Der Staat soll hier bis zu 100 Prozent der Kosten für sozialversicherungspflichtige Jobs tragen.

Heinrich Alt stellte klar: "Die größte Vermittlungsagentur ist das persönliche Netzwerk. Ich erlebe Langzeitarbeitslose, die in ihrem Handyspeicher keinen Menschen haben, der einer regulären Beschäftigung nachgeht." Alt setzte sich dafür ein, mehr für die Integration von Langzeitarbeitslosen in die Gesellschaft zu tun. Künftig müsse zudem darauf geachtet werden, dass kein Jugendlicher ohne einen Abschluss die Schule verlässt.

 

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