Zwei Drittel der Deutschen glauben laut einer Umfrage, dass Ausländer die Staatskasse belasten. Eine Untersuchung des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung widerspricht solchen Befürchtungen. So zahlte 2012 jeder Ausländer im Schnitt 3300 Euro mehr Steuern und Abgaben, als er an staatlichen Leistungen erhielt. Insgesamt sorgten die 6,6 Millionen Menschen ohne deutschen Pass für ein Plus von 22 Milliarden Euro im Jahr.

Damit nicht genug: Unter den Ausländern zahlten 67 Prozent mehr ein als sie herausbekamen, bei den Deutschen selbst waren es hingegen nur 60 Prozent. "Deutschland profitiert also beachtlich von seiner ausländischen Wohnbevölkerung", heißt es in der ZEW-Studie, die der Volksstimme vorliegt.

Sie bestätigt damit auch Befunde von früheren Studien, die einen positiven Beitrag von Ausländern zum Staatshaushalt festgestellt hatten. So belief sich der Nettobeitrag eines Ausländers bereits 2004 auf 2000 Euro, zwei Jahre später auf 1900 Euro. Dass die Menschen ohne deutschen Pass mittlerweile 3300 Euro beisteuern, liegt den Forschern zufolge an der günstigen Arbeitsmarktentwicklung. Immer mehr von ihnen gehen einem Job nach.

In die Berechnungen nicht einbezogen wurden bislang Migranten, die einen deutschen Pass besitzen. Nähme man sie hinzu, würde der fiskalische Nutzen für den Staat noch höher ausfallen, betonen die Forscher. Dieser Personenkreis sei in der Regel erfolgreicher als die Gruppe der Ausländer.

Gute Bildung macht den Unterschied

Der Studie zufolge könnte Deutschland noch mehr von Zuwanderern profitieren, wenn sich ihr Bildungsniveau erhöhen würde. Das gilt insbesondere für die unter 30-Jährigen. Sollte es ihnen gelingen, im Schnitt das gleiche Qualifikationsniveau zu erreichen, könnten sie besseren Jobs nachgehen und über ihre gesamte Lebenszeit 118400 Euro pro Kopf mehr an Steuern und Abgaben zahlen. In Summe bedeutet das, der Staat könnte mit der Gruppe noch 26,3 Milliarden Euro mehr einnehmen.

"Gute Bildungspolitik ist die beste Integrationspolitik", betont hierzu Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. Selbst erhebliche zusätzliche Bildungsinvestitionen würden sich finanziell für den Staat lohnen. Das bestätigt auch Holger Bonin, Autor der ZEW-Studie. Deutschland müsse die Durchlässigkeit der Bildungseinrichtungen erhöhen, Ganztagsschulen ausbauen und der Diskriminierung von Ausländern auf dem Arbeitsmarkt aktiv begegnen.

Die Bertelsmann Stiftung fordert, in der Migrationspolitik stärker auf Qualifikationen zu achten. Es sollte dabei nicht nur um das Anwerben von gut ausgebildeten Zuwanderern gehen, sondern auch um weniger Einschränkungen für Asylbewerber. Nach dem jüngsten Kabinettsbeschluss müssen diese noch immer 15 Monate warten, bis sie sich um eine Stelle bewerben dürfen. Nur bei Fachkräften ist diese Einschränkung weggefallen. Die ZEW-Forscher betonen, dass Deutschland als eines der beliebtesten Einwanderungsländer ohnehin mittlerweile mehr qualifizierte Zuwanderer anziehe. So ergab bereits der Mikrozensus 2009, dass drei Viertel aller ausländischen Bürger zu den Hoch- und Mittelqualifizierten zählen.

Laut Statistischem Bundesamt leben mittlerweile sogar 7,6 Millionen Menschen ohne deutschen Pass in Deutschland. Das ist der höchste registrierte Wert seit Beginn der Statistik im Jahr 1967. Vergleichsweise wenig Zuwanderer sind bislang nach Sachsen-Anhalt gekommen. Nach Zahlen des statistischen Landesamtes leben derzeit 50000 im Land.