In diesem Jahr ist zu Ostern die Natur schon voll erwacht. Da fällt es angesichts der Freude, die alle Sinne erfasst, leicht, sich gegenseitig "Frohe Ostern" zu wünschen. Für uns Christen verbindet sich mit dem lieblichen Frühlingsfest allerdings noch mehr. Tod und Leben sind das Thema, genauer: eine Dimension von Leben, die stärker ist als der Tod. Und das machen wir an Jesus Christus fest, der – so glauben wir – durch seine Auferstehung die Macht des Todes endgültig gebrochen hat. In diesem Sinne Ostern zu feiern, hat dann auch Auswirkungen darauf, welches Bild vom Menschen wir haben und wofür oder wogegen wir uns einsetzen.

Um ein Problem, bei dem es buchstäblich auch um Leben und Tod geht, wird derzeit im Bundestag gerungen: Soll die sogenannte Präimplantationsdiagnostik (PID) gesetzlich zugelassen werden oder nicht? In diesem Verfahren kann Paaren mit nachgewiesenen Erbkrankheiten die Möglichkeit eröffnet werden, Embryonen, die außerhalb des Mutterleibs gezeugt wurden, nach schweren genetischen Defekten untersuchen zu lassen und gegebenenfalls zu selektieren. Zudem wird dabei von vornherein mit überzähligen Embryonen gerechnet, deren Überleben nicht gesichert ist.

Für mich ist der Wunsch betroffener Eltern nach einem gesunden Kind durchaus verständlich. Dürfen deshalb aber Embryonen, die auch die deutsche Rechtsordnung bisher als menschliches Leben von Anfang an und als generell schutzwürdig ansieht, vernichtet werden? Und besteht nicht auch die Gefahr, dass, wenn bestimmte Krankheitsbilder als lebensunwert eingestuft sind, behinderte Menschen sich künftig immer mehr diskriminiert fühlen müssen, weil sie ja möglicherweise im Vorfeld zu verhindern gewesen wären? Schon jetzt zeigt sich, wie sehr unsere Gesellschaft von solchen Fragen zwischen utopischer Erwartung und Furcht vor unkalkulierbarem Risiko erschüttert ist. "Werden Eltern behinderter Kinder eines Tages bestraft?, kann man da in einem Buch unter dem Titel "Was wollen wir, wenn alles möglich?" lesen, oder: "Wer hat eigentlich beschlossen, dass ein Mensch mit Down-Syndrom kein lebenswertes Leben hat?"

Die unbedingte Achtung vor der Würde eines jeden Menschen und die Ehrfurcht vor der Heiligkeit des Lebens ist eine bleibende Herausforderung. Ihr gilt es, sich immer wieder tatkräftig und liebevoll zu stellen. Und manchmal geht es dabei – wie an Ostern – wirklich um Leben und Tod.