Uli Hoeneß hat in seiner schwersten Stunde Größe gezeigt. Seine Entscheidung, die Haftstrafe zu akzeptieren und alle Ämter beim FC Bayern München niederzulegen, verdient Anerkennung. Er selbst sprach in seiner schriftlichen Erklärung von Anstand, Haltung und persönlicher Verantwortung. Nachdem er sich zunächst mit Reue recht schwergetan hatte, ist der 62-Jährige diesen Tugenden letztlich doch noch gerecht geworden.

Allerdings: Bei dem respektablen Schritt wird auch die Überlegung eine Rolle gespielt haben, wie der Schaden begrenzt werden kann. Bei einem Revisionsverfahren wäre Hoeneß weiter Hohn und Spott ausgesetzt gewesen. Es ist nachvollziehbar, dass er sich und seiner Familie neuen Medienwirbel ersparen wollte. Und: Hoeneß hätte befürchten müssen, dass noch mehr unangenehme Fakten herauskommen - was auch dem Ansehen des FC Bayern geschadet hätte. Insofern hat sich Deutschlands erfolgreichster Fußball-Funktionär bis zuletzt ganz in den Dienst des Vereins gestellt.