Es ist verrückt: Da steht der Südostzipfel der Ukraine vor einer humanitären Katastrophe und ausgerechnet an einem Hilfskonvoi entzündet sich eine internationale Affäre. Da befürchten die Ukrainer, dass die Russen auf die Variante trojanisches Pferd setzen und nicht nur Hilfsgüter, sondern Waffen und militärisches Personal ins Land bringen. Russland nutzt die Aktion als Mittel in der unsäglichen Propagandaschlacht zwischen Moskau und Kiew und will die Rolle des rettenden Engels mit niemandem teilen.

Der gesunde Menschenverstand sagt: Macht die Schranken hoch, lasst die Lkw rein und entladet sie unter Aufsicht des Roten Kreuzes - fertig. Doch das geht nicht, weil jede Seite ihr Gesicht wahren will. Das Nachsehen haben die geschundenen Zivilisten in den Separatisten-Regionen um Donezk, die nur ein Spielball sind. Der Konvoi-Streit trägt nur dazu bei, dass die Verwerfungen des Konflikts Jahrzehnte nachwirken werden. Zu besichtigen ist dies bis heute in Ex-Jugoslawien.