Die Wahl von Bodo Ramelow zum ersten Ministerpräsidenten der Linken in einem Bundesland ist eine Zäsur. 25 Jahre nach dem Mauerfall sind SPD und Grüne zu Steigbügelhaltern für die Machtübernahme der SED-Erben geworden. Ob das Polit-Experiment glückt, ist offen. Fest steht, dass die neue Thüringer Regierung nach dem politischen Tabubruch in den nächsten Monaten unter scharfer Beobachtung steht. Sicher ist, dass die rot-rot-grüne Koalition in Thüringen die politischen Debatten im Bund, vor allem aber in den Ländern stark beeinflussen wird.

Das "Thüringer Modell" ist auch für Sachsen-Anhalt, wo 2016 ein neuer Landtag gewählt wird, eine Option. Die Landes-Linke hat bereits forsch erklärt, den "Umsturz" im Land zu planen. Das Thüringer Ergebnis wird den hiesigen Genossen weiteren Auftrieb geben. Und Sachsen-Anhalts SPD? Landeschefin Karin Budde liebäugelt mit Rot-Rot. Spätestens nach Gründung der linken "Magdeburger Plattform" sollte jedem klar sein, dass die SPD auch hierzulande die Weichen nach ganz links stellt.