Liberale und bürgerlich-gemäßigte Blätter wurden während der Weimarer Republik vor allem von den Nationalsozialisten als "Lügenpresse" diffamiert. Viele, die dem Wort insbesondere im Rahmen der "Pegida"-Bewegung zur Renaissance verhalfen, kennen diesen Hintergrund sicher nicht. Ihr medienkritischer Reflex ist gleichwohl ähnlich wie damals ein demokratiefeindlicher aus Unwissen.

Die vielfach von Unkenntnis beförderte Ungeduld angesichts komplexer demokratischer Prozesse führt nicht nur zum Abbruch des Dialogs mit ihren Trägern, den Parteien. Sie wendet sich auch gegen die Moderatoren dieses Prozesses, die Journalisten. Im Internet finden Menschen, die es nicht gelernt haben, Medien einzuschätzen, reichlich Stoff für Verschwörungstheorien.

Sogar Länder starten mittlerweile sehr erfolgreiche Desinformationskampagnen. Der Vermittlung von Medien- und Demokratiekompetenz müsste in Schulen mehr Platz eingeräumt werden.