In Halberstadt haben zwei Pfarrer entschieden, Thilo Sarrazin auszuladen. Dies geschah nicht freiwillig, sondern auf Druck der Kirchenleitung. Nun steht es zwar allein der Kirche zu, darüber zu befinden, wer im Gotteshaus reden darf und wer nicht. Aber weil sicherlich auch viele Nichtchristen in den Dom gekommen wären, bleibt ein fader Beigeschmack.

Es steht außer Frage, dass Thilo Sarrazin polarisiert. Er spitzt zu, übertreibt zuweilen. Er hat sich wohl auch ein bisschen verlaufen, was die nationale Zuordnung von Charakteren betrifft. Aber viele Menschen empfinden trotzdem Sympathie für den Provokateur. Denn Sarrazin spricht vielen aus der Seele. Die Seele, dieses schwierige "Organ", sollte der Kirche eigentlich am Herzen liegen. Stattdessen unterbindet sie die freie Meinung. Gerade in den neuen Bundesländern wird das sensibel wahrgenommen. Freidenker in der Kirche waren hierzulande mal sehr willkommen. (Seite 1)