Der Streit um den Libyen-Einsatz ist ein Exempel für die Sinnkrise, in der sich die NATO seit 20 Jahren befindet. Das militärische Bollwerk gegen den Kommunismus, das die NATO bis dahin war, hatte den Gegner verloren, nachdem der Ostblock in sich zusammengefallen war.

Trotzdem erhöhte sich die Zahl der Mitgliedsstaaten auf fast das Doppelte, das Bündnis wuchs auf 28 Länder. Einigendes Band ist die Sicherheitsgarantie, die die Allianz bietet. Den Bündnisfall, als der ein Angriff auf ein NATO-Land gilt, riefen bisher einzig die USA aus – nach dem Terrorakt in New York vom 11. September 2001.

NATO-Militär war und ist bisher stets außerhalb des Bündnisgebietes im Einsatz. Selten aber halbwegs geschlossen wie in Afghanistan. Schon im Irak hielten sich Frankreich und Deutschland tunlichst raus. Der Schlag gegen Libyen ist mindestens genauso umstritten: Während sich die Bundesrepublik in feiner Zurückhaltung übt, sind die Türkei und Bulgarien grundsätzlich gegen den sich anbahnenden Wüstenkrieg mit womöglich tausenden Toten.

Einer befiehlt, die anderen marschieren hinterher – das passt nicht in die moderne (NATO-)Welt. Politische Einigkeit muss im Bündnis das Primat erhalten. Sonst braucht die NATO irgendwann kein Mensch mehr.