São Paulo (epd) l Kuba hat einen weiteren Schritt in Richtung Marktwirtschaft gemacht und ein seit 55 Jahren bestehendes Importverbot für Autos aufgehoben. Seit Freitag dürfen Neu- und Gebrauchtwagen ohne Einschränkungen in das kommunistisch regierte Land eingeführt werden. Staats- und Parteichef Raúl Castro hatte die Neuerung am Jahrestag der Kubanischen Revolution (1. Januar) als Instrument für "die Entwicklung des öffentlichen Nahverkehrs" bekanntgegeben.

Die Neuregelung kommt einer kleinen Revolution gleich. Denn bislang war das Straßenbild in Kuba von Oldtimern geprägt. Nur wenige Neuwagen, meist in staatlichem Besitz, waren zugelassen. Zwar hatte die Regierung im Oktober 2011 auch Privatpersonen die Einfuhr von Autos erlaubt, doch war dafür eine Sondergenehmigung notwendig. Diese vergab der Staat bevorzugt an Funktionäre, Ärzte, bekannte Sportler oder Künstler.

Ein blühender Schwarzmarkt um diese begehrten Genehmigungen entwickelte sich. Jetzt können importierte Wagen zu Marktpreisen erworben werden. Castro kündigte an, dass Steuern und zusätzliche Einnahmen in einen Fonds fließen sollen, um den völlig überlasteten öffentlichen Nah- und Fernverkehr zu verbessern.

Zusammen mit der Zulassung von privaten Dienstleistungsbetrieben wie Restaurants, Friseursalons und kleinen Handwerksbetrieben ist dies ein weiterer vorsichtiger Schritt in Richtung Markt- öffnung. Jetzt wird erwartet, dass sich Taxifahrer und Busunternehmer selbständig machen, um so eine Alternative zu dem vollkommen überlasteten öffentlichen Nahverkehr zu schaffen. Allerdings ist nach wie vor das Benzin in Kuba rationiert. Der Inselstaat hat keine eigenen Ölvorkommen und ist auf Lieferungen seines Verbündeten Venezuela angewiesen.