Berlin l Immer mehr Menschen in Deutschland verdienen sich neben ihrem Hauptjob noch etwas hinzu. Im Juni 2013 gingen 2,62 Millionen Beschäftigte mit einer sozialversicherungspflichtigen Stelle zusätzlich mindestens einem Minijob nach. Das war jeder elfte Arbeitnehmer in dieser Gruppe. 2003 war es nur jeder 23. Beschäftigte. Damit hat sich die Zahl der "Multijobber" in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Das geht aus einer Stellungnahme der Bundesregierung auf eine Anfrage der grünen Arbeitsmarktpolitikerin Brigitte Pothmer hervor.

"Der Lohn aus einem Job reicht für viele ganz offensichtlich nicht zum Leben", meinte Pothmer. Wenn Menschen auf einen Zweitjob angewiesen seien, um finanziell über die Runden zu kommen, dann laufe etwas schief in Deutschland.

Nach Angaben der Bundesregierung ist die Gesamtzahl der Minijobs in den letzten Jahren allerdings relativ konstant geblieben. Dahinter steckt die Tatsache, dass die geringfügige Beschäftigung im Nebenjob zwar zunimmt, aber die Zahl der ausschließlich geringfügig Beschäftigten zurückgeht. Im Juni 2013 hatten 4,82 Millionen Personen ein oder mehrere Minijobs. Mitte 2009 waren es 4,93 Millionen. Eine Ursache für diesen Trend könnte sein, dass dank guter Konjunktur auch die Zahl der Vollzeitjobs zugenommen hat. Obendrein gehören Minijobs bezogen auf den Stundenlohn zu den am schlechtesten bezahlten Tätigkeiten.

Nach einer 2012 veröffentlichten Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung arbeiteten damals 90 Prozent der Minijobber im Westen für weniger als 9,76 Euro, im Osten waren es unter 7,03 Euro. Insgesamt knapp jeder zehnte Minijobber kam gar auf weniger als fünf Euro pro Stunde. Nach geltendem Recht können pro Monat maximal 450 Euro weitestgehend steuer- und abgabenfrei verdient werden. Noch bis zum Jahr 2003 durfte die Wochenarbeitszeit für einen Minijobs höchstens 15 Stunden betragen. Diese Grenze wurde aber ersatzlos abgeschafft.

Pothmer forderte deshalb, den geplanten Mindestlohn von 8,50 Euro auch auf die Minijobs zu erstrecken. "Eine Ausnahme würde die Schwächsten treffen, die den gesetzlichen Schutz vor Lohndumping am nötigsten haben", meinte die Grünen-Politikerin. Meinung