Wiesbaden (dpa) l Die weltweiten Krisen haben die deutsche Wirtschaft vorerst ausgebremst. Das zweite Quartal brachte den befürchteten Rückschlag, das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte nach Angaben des Statistischen Bundesamtes erstmals seit Anfang 2013. Die meisten Ökonomen gehen jedoch davon aus, dass das Minus von 0,2 Prozent zum Vorquartal ein Ausrutscher ist. Insgesamt seien die Wachstumsaussichten für Europas größte Volkswirtschaft gut.

Den Rückgang der Wirtschaftsleistung erklärten die Wiesbadener Statistiker auch mit dem starken ersten Quartal 2014. Zum Jahresauftakt hatte etwa die Baubranche vom milden Winter profitiert. Das BIP legte in den ersten drei Monaten nach neuen Berechnungen um 0,7 statt um 0,8 Prozent zu. Den letzten BIP-Rückgang gab es nach revidierten Zahlen im ersten Quartal 2013 (minus 0,4 Prozent).

"Die geopolitischen Risiken im Osten Europas und im Nahen Osten sowie eine schwächere Entwicklung im Euroraum haben vorübergehende Bremsspuren in der deutschen Wirtschaft hinterlassen", kommentierte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) das zweite Quartal. Die konjunkturelle Grundtendenz sei aber unverändert positiv, so habe sich zum Beispiel der Arbeitsmarkt erfreulich entwickelt.

"Man sollte nicht jede Spitze sogleich hochjubeln, wenn es nach oben geht, oder zu Tode betrübt sein, wenn es mal nach unten geht", warnte der Vorsitzende der Wirtschaftsweisen, Christoph M. Schmidt, im "ARD-Morgenmagazin": "Das Gesamtbild ist immer noch, dass Deutschland auf einem breiten Fundament sein Wachstum momentan fußen lässt."

Nach Einschätzung von Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer dürfte das Wachstum im zweiten Halbjahr höher ausfallen.