Der Verlag Gruner +Jahr
Zur großen Verlagsgründung kam es 1965, als die Hamburger Verleger John Jahr und Gerd Bucerius ihre Publikationen mit dem Geschäft des Druckers Richard Gruner zusammenlegten. So kamen Magazine wie "Stern", "Brigitte" und "Capital" unter einem Firmendach zusammen. Seitdem wurde die Palette um weitere Zeitschriften ("Nido", "Neon") und im Internetzeitalter um digitale Angebote erweitert. Bertelsmann erwarb 1969 die Gruner-Anteile und stockte bis 1976 seine Beteiligung auf 74,9 Prozent auf. Aktuell kamen nun die restlichen Jahr-Anteile hinzu. Für das 1. Halbjahr 2014 wird im Bertelsmann-Zwischenbericht ein G+J-Umsatz von 908 Millionen Euro ausgewiesen. Die Zahl der Verlagsmitarbeiter betrug Ende Juni 8562.

Der Bertelsmann-Konzern ist Europas größtes Medienunternehmen. Wichtigster Profitbringer ist die RTL Group, Europas größte werbefinanzierte Sendergruppe. Weitere Teile sind die Verlagsgruppe Penguin Random House, der Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr, der Unternehmensdienstleister Arvato und die Drucksparte BE Printers. Zum Bereich "Corporate" zählt das Musikrechteunternehmen BMG. Mit mehr als 111000 Mitarbeitern weltweit erzielte Bertelsmann 2013 einen Umsatz von 16,4 Milliarden Euro. 80,9 Prozent des Konzerns gehören Stiftungen, den Rest hält die Familie Mohn. (dpa)

Gütersloh/Hamburg (dpa) l Europas größter Medienkonzern Bertelsmann hat beim Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr (G+J) in Zukunft voll und ganz das Sagen. Die Gründerfamilie Jahr zieht sich aus dem traditionsreichen Hamburger Medienhaus zurück. G+J hatte zuletzt mit Umsatzeinbußen zu kämpfen.

Bertelsmann-Chef Thomas Rabe sagte am Montag, der Schritt sei "ein klares Bekenntnis zum Journalismus und zum Wert journalistischer Inhalte im digitalen Zeitalter". Die Komplettübernahme erleichtere die Zusammenarbeit zwischen G+J und den anderen Konzerntöchtern wie RTL oder Random House. Wie diese aussehen könnte, haben in der Vergangenheit bereits Ableger wie "Stern-TV" oder "Geo-Television" gezeigt. Zum Kaufpreis machten beide Seiten keine Angaben. Rabe sagte lediglich, er sei "angemessen und fair" und werde in bar bezahlt, nicht in Form einer Beteiligung an Bertelsmann oder der TV-Tochter RTL.

Rabe widersprach Spekulationen, Bertelsmann könnte nach der Komplettübernahme das Verlagshaus zerschlagen. Auch eine Verschärfung des erst im August angekündigten Sparplans sei nicht geplant. G+J will in den kommenden drei Jahren rund 400 Stellen in Deutschland abbauen und 75 Millionen Euro einsparen. Der Verlag steckt in einem Strukturwandel vom klassischen Zeitschriftenverlag hin zu einem digitalen Haus der Inhalte.

Bertelsmann halte an den angekündigten Investitionsplänen in Höhe von 500 Millionen Euro fest und sei bereit, wenn nötig, auch noch mehr Geld in die Hand zu nehmen, sagte Rabe.

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