München (dpa) l Angesichts sinkender Rohölpreise können die Autofahrer in Deutschland auf günstigere Benzin- und Dieselpreise hoffen. "Wir haben einen rückläufigen Trend, der ist klar erkennbar", sagte der ADAC-Kraftstoffmarktexperte Jürgen Albrecht am Freitag. In den vergangenen 30 Tagen seien die Durchschnittspreise für Benzin bereits um gut 2 Cent und für Diesel um 3 Cent gesunken.

Der Hintergrund: Die Rohölpreise befinden sich derzeit auf Talfahrt. Am Freitagmorgen fiel der Preis für die europäische Sorte Brent unter die Marke von 90 Dollar und lag damit so tief wie seit Ende 2010 nicht mehr. Amerikanisches Rohöl kostet so wenig wie zuletzt Mitte 2012. Die Gründe dafür: Das Angebot an Rohöl ist hoch, insbesondere in den USA und beim Ölkartell Opec. Auf der anderen Seite ist die Nachfrage nicht so stark - und sie droht sich weiter abzuschwächen. Denn die Wachstumsaussichten für die Weltwirtschaft trüben sich zusehends ein. Vor allem für China, andere große Schwellenländer und Europa gehen die Erwartungen zurück.

Ein Ende des Preisverfalls bei Rohöl ist deshalb vorläufig nicht in Sicht. Im Gegenteil: Der Leiter der Rohstoff-Analyse der Commerzbank, Eugen Weinberg, beobachtet in einer aktuellen Marktanalyse einen "Preisunterbietungswettbewerb" und stellt fest, dass immer mehr Marktteilnehmer auf fallende Preise setzen. Sein Fazit: "Am Ölmarkt macht sich allmählich Panik breit."

Allerdings sollten die Verbraucher auch nicht zu große Erwartungen haben, was die Preisentwicklung angeht. Denn die Auswirkungen des Rohölpreisverfalls werden teilweise durch den schwachen Euro wieder aufgehoben, wie der Mineralölwirtschaftsverband erklärt. Schließlich wird Rohöl nach wie vor in Dollar gehandelt.

Außerdem sind große Kostenblöcke wie die Mineralölsteuer oder die Raffineriekosten unabhängig von der Rohölpreisentwicklung. "Eine Halbierung des Rohölpreises würde deshalb auch nicht die Halbierung des Benzinpreises bedeuten", wie ADAC-Experte Albrecht betonte.