Tanne l Ein altertümlich aussehendes Fachwerk zieht die Blicke von Harzern und Gästen in Tanne in der Stadt Oberharz auf sich: Braune Balken, ein mächtiger Bulle als Relief und eine Frau als Bild sind an der Fassade zu sehen. Frau, Bulle und die anderen abgebildeten Tiere gibt es sogar "in echt".

Die Fassade gehört zum Schaustall, dem ersten fertigen Gebäude des künftigen neuen Schaubauernhofes von Uwe und Susann Thielecke. Gemeinsam mit den Töchtern Sarah und Julia sowie Marvin Freystein haben sie sich an ein Großprojekt gewagt: Für 1,5 Millionen Euro entstehen auf dem Areal rund um den früheren winzigen Hofladen mehrere neue Gebäude. Darin eine Bio-Fleischerei mit Schlachthaus, ein Bauernhof-Café und ein Hofladen. "Alles aus einer Hand, das wollte ich immer schon", sagt Biobauer Uwe Thielecke (49). "Unser Traum wird wahr", setzt er hinzu, und seine Frau Susann, die auch von der Fassade lächelt, stimmt zu. "Wir wollen die kleine, bodenständige Einheit", sagt sie.

Ganz neu ist das für die Thieleckes nicht. Seit Jahren züchten sie die berühmten braunen Harzkühe. Und seit Jahren schon vermarkten sie die vom Aussterben bedrohte Tierart und helfen so, sie zu erhalten. Der Bedarf ist da. Der kleine Hofladenwagen ist gut besucht, Bestellungen gibt es mehr als genug. Selbst der Bundestag hat schon das Biofleisch von den Oberharzer Wiesen bestellt. Doch geschlachtet werden muss bisher immer auswärts. Das ändert sich nach Abschluss des Baus.

Ab Mai soll auf dem Hof selbst geschlachtet werden

Das Wirtschaftsministerium fördert den Aufbau der Bio-Fleischerei. Café, Hofschlachtung, und Laden finanziert die Familie über Kredite. Ein Wust an Papierkram ist zu bewältigen. Landkreis und Stadt Oberharz geben Unterstützung, eine Mammutaufgabe mit viel Eigenleistung bleibt es für die fünfköpfige Familie dennoch. "Ich bin jetzt mehr so eine Art Bauleiter", sagt Uwe Thielecke zwischen den Rohbauten. Im Mai 2015 soll erstmals auf dem Tanner Hof geschlachtet werden. Ein Fleischermeister ist schon eingestellt, ein Lehrling wird gesucht. Sechs neue Arbeitsplätze sollen entstehen.

Grundlage bleibt die Zucht der Harzkühe. 150 davon weiden verstreut in den Tälern der Oberharzstadt. Sechs Bullen sorgen auf natürliche Art für Kälber. "Das Tierwohl steht an erster Stelle, unsere Kühe haben Liebe in den Augen", sagt Susann Thielecke. Und: "Wenn es den Kühen gutgeht, schmeckt auch das Fleisch."