Berlin (epd) l Überstunden sind für jeden zweiten Deutschen die Regel. Das geht aus einer Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) hervor, die am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde. Demnach arbeiten 59 Prozent der Beschäftigten länger als vereinbart. 62 Prozent seien mehr als 40 Stunden in der Woche auf Arbeit, "aber nur für 42 Prozent ist das auch die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit", sagte DGB-Chef Reiner Hoffmann bei der Vorstellung der repräsentativen Umfrage.

Laut der Untersuchung arbeitet knapp jeder Dritte, der Überstunden schieben muss, bis zu fünf Wochenstunden länger. 15 Prozent bleiben zwischen sechs und zehn Stunden länger auf Arbeit und neun Prozent mehr als zehn Stunden. Die meisten Überstunden werden in den Branchen Ver- und Entsorgung, Information und Kommunikation geleistet. "Wir wollen, dass die Leute gesund in die Rente kommen", unterstrich der Vorsitzende Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, Michael Vassiliades. 43 Prozent gingen jedoch davon aus, dass sie ihre Beschäftigung "unter den aktuellen Bedingungen" wohl nicht bis zur Rente durchhalten.

Nach den Worten von IG-Metall-Vize Jörg Hofmann arbeitet jeder zweite Mann mehr als 40 Stunden in der Woche. Vier von fünf dieser Beschäftigten wollten ihre Arbeitszeiten reduzieren. Zugleich fordere eine große Zahl von Beschäftigten in Teilzeit, darunter seien überwiegend Frauen, eine Aufstockung der Arbeitszeiten. "Jeder Dritte mit einer Arbeitszeit unter 20 Stunden will länger arbeiten", erklärte der Gewerkschafter.

Für den DGB-Index "Gute Arbeit" wurden 5800 Beschäftigte gefragt.