Magdeburg l Die Landwirtschaftsbetriebe in Sachsen-Anhalt haben zunehmend Probleme, frei werdende Stellen wieder zu besetzen. "Bis 2020 werden 5000 Beschäftigte in Rente gehen", erklärte Katharina Elwert, Hauptgeschäftsführerin des Bauernverbandes am Dienstag in Magdeburg. "Die Lücke werden wir wohl nicht schließen können." Nur 2600 Nachwuchskräfte würden bis dahin ihre Ausbildung beenden.

Beim Landwirtschaftlichen Unternehmertag der Volksbanken Raiffeisenbanken forderte Elwert, dass sich die Agrarbetriebe stärker um den Nachwuchs bemühen müssten, etwa in Schulen. "Bereits die Kinder sollten wissen, wie Landwirtschaft tatsächlich betrieben wird, dass heutzutage viel Hightech zum Einsatz kommt."

Agrarminister Herrmann Onko Aeikens (CDU) betonte, es gebe nicht nur ein Fachkräfte-, sondern auch ein Bezahlungsproblem. "Zu einer guten Ausbildung gehört auch eine gute Bezahlung", sagte er. Die Landwirtschaftsbetriebe müssten mehr bieten, dann könnten sie freie Stellen und Ausbildungsplätze auch wieder besetzen.

Nach Angaben der Gewerkschaft IG Bauen-Agrar-Umwelt liegt der Tariflohn für Fachkräfte derzeit bei 11 Euro die Stunde. Geringqualifizierte erhalten 7,20 Euro. Der Durchschnittslohn aller Beschäftigten liegt bei 1700 Euro brutto im Monat. Weil es für die Agrarbranche eine Ausnahmeregelung gibt, greift der Mindestlohn von 8,50 Euro erst ab 2017. Auszubildende erhalten derzeit im ersten Lehrjahr 600 Euro, später 700 Euro brutto pro Monat. Insgesamt sind derzeit 23.800 Menschen im Agrar-Sektor beschäftigt.

Aeikens kündigte darüber hinaus an, dass das Land junge Landwirte künftig stärker unterstützen möchte, insbesondere bei der Betriebsgründung. "Es gibt immer mehr junge Leute, die nicht auf dem Land groß geworden sind, aber gerne in der Landwirtschaft arbeiten würden." Sie hätten es momentan aber schwer, unter anderem, weil die Preise für Ackerböden zuletzt stark gestiegen sind.