Magdeburg l "Als Firmenchef bin ich für die Fortführung des Unternehmens zuständig. Ich muss alles dafür tun, dass es uns auch in zwanzig Jahren noch gibt", sagt Hartmut Bischoff. 1987 hat der gelernte Schmied den Federproduzenten Bischoff in Staßfurt (Salzlandkreis) von seinem Vater Friedrich übernommen. 1853 als Schmiede in der Salzstadt gegründet, ist das Unternehmen heute der letzte in Ostdeutschland verbliebene Hersteller von warmverformten Blattfedern. Die Produkte des Werks werden unter anderem in Eisenbahnwagen, Transporter, Kutschen und sogar in Stühle verbaut.

Insgesamt umfasst das Sortiment rund 10000 verschiedene Artikel. "Diese Produktbasis und unsere breite Anzahl von Kunden ist unser Erfolgsrezept", erklärt Hartmut Bischoff, der zusammen mit seiner Frau Gabriele das Familienunternehmen führt. 106 Mitarbeiter erwirtschaften rund acht Millionen Euro Umsatz jährlich. Am Jahresende steht stets ein kleines Plus. Damit das so bleibt, investiert Bischoff. 2,2 Millionen Euro nimmt der Unternehmer in die Hand, um eine neue Stahlpresse anzuschaffen.

Vor allem die Nachfrage nach Parabelfedern für Schienenfahrzeuge will Bischoff bedienen. "In der ersten Phase dürfte eine Umsatzsteigerung von bis zu 20 Prozent möglich sein", sagt der Geschäftsführer. Doch kurzfristiger Erfolg ist für Familienunternehmer wie Hartmut Bischoff nicht das Ziel.

"Wir schielen nicht nur auf Quartalsergebnisse, sondern haben immer die ganzheitliche Strategie im Auge", erklärt Andreas Mössner, Geschäftsführer des Maschinenbauers Laempe Mössner aus Barleben (Landkreis Börde). Für das Unternehmen, das Weltmarktführer für Kernschießmaschinen in der Gießereiindustrie ist, bedeutet das vor allem Investitionen in Forschung und Entwicklung. "Uns zeichnet Kontinuität in der Führung aus, wir sind solide finanziert mit einer hohen Eigenkapitalquote, wir achten stark auf die Kostenseite und bekennen uns klar zu unseren Standorten", sagt Mössner.

Besonders in der Krise stellt Mössner sein Eigeninteresse hinter das des Unternehmens. 80 Prozent seiner Güter exportiert der Mittelständler ins Ausland. Die derzeitigen Russland-Sanktionen der Europäischen Union reißen eine spürbare Delle in den jährlichen Umsatz von rund 60 Millionen Euro. Noch härter als die Russland-Krise trafen die Firma 2009 die Auswirkungen der weltweiten Finanzkrise. "Damals hat uns unsere solide Finanzstruktur geholfen sowie flexible Regelungen bei der Kurzarbeit", erklärt Mössner.

"In Krisensituationen ist das Familienunternehmen ein fester Verbund", sagt auch Andreas Lewerken, der in Havelberg (Landkreis Stendal) die Kiebitzberg Gruppe leitet. Rund 100 Mitarbeiter vereinen Handwerk und Design. Zu den Geschäftsfeldern der Unternehmensgruppe gehören neben der Möbelproduktion auch der Innenausbau von Gebäuden, der Bau von Schiffen sowie ein Hotel. Seit zwei Jahren werden rund zehn Millionen Euro pro Jahr umgesetzt.

"Alle Entscheidungen müssen durch die Familie getragen werden", sagt Andreas Lewerken, dem das Unternehmen zusammen mit seiner Frau Renate gehört. Gewinne investiert die Familie stets zurück in den Betrieb. Für eine hohe sechsstellige Summe wird derzeit eine neue Niederlassung auf dem Gelände der ehemaligen Baumwollspinnerei in Leipzig aufgebaut - ein Zentrum für Kunst und Design in der Messestadt.

Die Familienunternehmer wirtschaften für die Zukunft ihrer eigenen Familie. Hartmut Bischoff, der das Federnwerk in Staßfurt in der fünften Generation führt, wird in einigen Jahren an seine Tochter Anna übergeben, die derzeit noch studiert. "Es wird genug Zeit geben, sie in den Betrieb zu integrieren", sagt Bischoff. Der nächsten Generation den Weg zu bereiten - auch das zeichnet Familienunternehmen in Sachsen-Anhalt aus.