Bisher ist die Lausitz vor allem durch ihre Braunkohle bekannt. Das wird sich ändern: Erstmals seit langem soll in Deutschland wieder Kupfer gefördert werden – und Gold. Riesen-Nuggets sind allerdings kaum zu erwarten.

Spremberg (dpa). Goldgräberstimmung in der Lausitz – dank der Pläne für ein Kupferbergwerk: Von einer Renaissance des Kupferbergbaus in Deutschland ist die Rede, nachdem der Abbau von Kupferschiefer im Ostharz 1990 eingestellt wurde. Etwa von 2017 an soll Erz aus der Lagerstätte an der Landesgrenze zwischen Brandenburg und Sachsen gefördert werden. Und das ist nicht alles – man schürft auch nach Gold.

Denn im Kupfererz des schon zu DDR-Zeiten erkundeten Vorkommens Spremberg-Graustein-Schleife schlummern auch andere Mineralien, darunter eben Gold. Allerdings gibt es keine Nuggets wie in den Minen Südafrikas oder Russlands, sondern nur winzige Goldmengen.

Das Vorhaben ist teuer: Das Kupferbergwerk, das den Rohstoffhunger der deutschen Wirtschaft zumindest etwas stillen helfen dürfte, erfordert Investitionen von mehr als 700 Millionen Euro. Das sehen die Pläne der eigens für dieses Projekt gegründeten Kupferschiefer Lausitz GmbH (KSL) vor, einer Tochterfirma der internationalen Bergbauholding Minera S.A. mit Sitz in Washington.

Die Spitze der neuen Schürf-Firma rechnet bis Ende des Jahrzehnts mit 1000 Arbeitsplätzen im Kupferbergbau. Eine Nachricht, die in der strukturschwachen Region fast einem Lottogewinn gleichkommt: Denn dort dominiert derzeit die Braunkohleindustrie, und etliche kleine Betriebe kämpfen ums Überleben. "Die Verhüttung des Lausitzer Kupfererzes etwa in Hamburg oder in Polen ermöglicht es, neben 1,5 Millionen Tonnen Kupfermetall auch 15 Tonnen Gold zu produzieren", erklärt Thomas Kaltschmidt, Chefgeologe der Kupferschiefer Lausitz GmbH. Dank der Kupferförderung könnte also in Deutschland wieder eine nennenswerte Menge des begehrten gelben Metalls gewonnen werden.

Dessen Marktwert wächst, weil viele Anleger Gold gerade in Krisen oder bei drohender Inflation als eine sichere Investition ansehen. Experten der US-Investmentbank Goldman Sachs gehen davon aus, dass der Preis für die Feinunze (etwa 31,1 Gramm) bis zur Jahresmitte 2011 auf 1565 Dollar steigen wird. Ende 2011 erwarten sie sogar Preise um die 1700 Dollar.

In Deutschland werde Gold bisher fast nur bei der Kies- und Sandförderung in einigen Flüssen wie Rhein, Elbe und Oder abgebaut, sagt Thomas Oberthür vom Bundesamt für Geologie und Rohstoffe in Hannover. "Man findet hier und da zwar ein Körnchen Gold, aber die Förderung als Beiprodukt ist nicht wirtschaftlich."

Die Analyse der Bohrproben aus der Lausitzer Lagerstätte in 800 bis 1500 Metern Tiefe habe etwa 40 mineralische Rohstoffe in kleinen Mengen ergeben, sagt Chefgeologe Kaltschmidt. "Aus dieser Erzlagerstätte können nach der Aufbereitung neben Kupfer und Gold auch 275 000 Tonnen Blei, 100 000 Tonnen Zink und 3000 Tonnen Silber durch spezielle Verfahren hergestellt werden."

Diese Metalle, für die es belastbare Erkenntnisse aus den Untersuchungen gibt, bestimmen den Wert des Vorkommens. "Der Verkauf des aufbereiteten Erzes würde acht bis neun Milliarden Euro erbringen", sagt KSL-Geschäftsführer Thomas Lautsch. "Diese Menge wollen wir innerhalb von 25 Jahren auf dem Markt absetzen, denn so lange soll das Bergwerk betrieben werden."

Die 15 Tonnen Gold verteilen sich nach Kaltschmidts Angaben auf insgesamt 130 Millionen Tonnen Kupfererz. Stellenweise erreiche die Goldkonzentration ein abbauwürdiges Niveau von vier Gramm pro Tonne. Er stellt aber klar: "Vorrang hat die Förderung von Kupfer, die anderen Mineralien werden mit dem Erz nach oben geholt." Auf jeden Fall haben die Neuigkeiten die Fantasie vieler Menschen beflügelt. "Wir erhalten jetzt öfter Anfragen, ob man KSL-Aktien kaufen könne –, die es gar nicht gibt", sagt Kaltschmidt.

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