Magdeburg. Erstmals haben sich in Sachsen-Anhalt große Unternehmer-Interessenvertretungen mit unterschiedlichem parteipolitischem Hintergrund für die Fortsetzung der Regierungskoalition aus CDU und SPD nach der Landtagswahl am kommenden Sonntag ausgesprochen.

"Die Wirtschaft braucht Planungssicherheit", erklärten der Landesvorsitzende des Wirtschaftsrates der CDU, Kristian Tolk, und der Bundesvorsitzende des Managerkreises Ost der Friedrich-Ebert-Stiftung, Klaas Hübner, im Volksstimme-Gespräch. Die jetzige Landesregierung habe etwa auf dem Gebiet der Haushaltskonsolidierung "eine gute Arbeit" gemacht. Sachsen-Anhalt habe in den vergangenen Jahren eine wirtschaftlich dynamische Entwicklung genommen und sei in der bundesweiten Wahrnehmung nicht mehr nur in der Rolle eines Nehmerlandes: "Wir wollen, dass der erfolgreiche Weg der Großen Koalition in dieser Form fortgeschrieben wird", positionierten sich Tolk und Hübner.

Der SPD-nahe Managerkreis Ost und der Wirtschaftsrat der CDU, der in Sachsen-Anhalt 330 Mitglieder hat, verstehen sich als Plattform für den Austausch von Informationen und die Kommunikation zwischen Wirtschaft und Politik. Vor wenigen Tagen hatten auch die Arbeitgeberverbände in Sachsen-Anhalt der Regierung ein gutes Zeugnis ausgestellt und sich dafür stark gemacht, die "Kontinuität in der Haushalts- und Wirtschaftspolitik" fortzusetzen.

Wirtschaftspolitische Zeichensetzungen der künftigen Landesregierung erwarten Tolk und Hübner etwa in der Frage des Einsatzes von Fördermitteln. Hier favorisieren der Geschäftsführer der Magdeburger Centiveo GmbH und der Neugatterslebener Unternehmer eine Konzentration auf Schwerpunktbranchen wie den Automobilzulieferbereich, die Chemie oder grüne Technologien. Zudem fordern sie die Nordverlängerung der Autobahn A14 durch die Altmark und den Weiterbau der Bundesstraße 6 bis zur Autobahn A9. Tolk und Hübner schlagen außerdem vor, im Wirtschaftsministerium eine sogenannte "One-Step-Agency" anzusiedeln, eine zentrale Anlaufstelle für alle Belange eines Unternehmens. Von besonderer Bedeutung sei auch eine engere Vernetzung von Forschung und Wirtschaft. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung sei die Gründung des Forschungsinstituts für Kompetenz in AutoMobilität (IKAM) mit Standorten in Barleben und Magdeburg.

Wirtschaftsrat und Managerkreis wandten sich gegen Vorhaltungen, Sachsen-Anhalt sei ein Niedriglohnland. "Das kann nicht Ziel sein und ist es auch nicht", sagte Tolk vor dem Hintergrund des steigenden Fachkräftebedarfs und damit verbundener Entgeltansprüche.

Eindringlich riefen Tolk und Hübner dazu auf, wählen zu gehen und extremistischen Positionen eine Abfuhr zu erteilen.

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