München (dapd). Der Elektronikkonzern Siemens bringt sein traditionsreiches Tochterunternehmen Osram im Herbst an die Börse und stellt sich intern neu auf. Der Aufsichtsrat beschloss, große Teile des Industrie- und Energiegeschäfts in einem neuen Geschäftsfeld für Infrastruktur und Städte zusammenzufassen, um gezielter vom weltweiten Wachstum der Ballungsräume profitieren zu können. Vorstandschef Peter Löscher sagte: "So wollen wir in den nächsten Jahren die Schwelle von 100 Milliarden Euro Geschäftsvolumen überschreiten."

Im vergangenen Jahr hatte Siemens knapp 76 Milliarden Euro Umsatz gemacht. Als Chef des neuen Sektors Infrastruktur und Städte rückt der bisherige Chefstratege des Konzerns, Roland Busch, in den Siemens-Vorstand auf.

Die hoch profitable Leuchtentochter Osram, die Weltmarktführer bei Autolampen ist, will Siemens im Herbst 2011 die Börse zu bringen. Analysten schätzen den Wert des Unternehmens auf 5 Milliarden Euro. Siemens beabsichtige aber, "als Ankeraktionär an der künftigen Osram AG langfristig beteiligt zu bleiben", sagte Löscher.

Der Börsengang solle Osram mehr unternehmerische Freiheit geben, um seine Position im sich technologisch verändernden Lichtmarkt zu stärken. Osram beschäftigt weltweit 39000 Mitarbeiter, davon 9000 in Deutschland. Größte Standorte sind Augsburg, Regensburg, Berlin und München. Wegen der wachsenden Konkurrenz im Zukunftsmarkt der Leuchtdioden (LED) muss Osram hohe Forschungs- und Entwicklungsausgaben stemmen. Osram-Chef bleibt Martin Goetzeler. Der Siemens-Vorstand für die Energiesparte, Wolfgang Dehen, muss sein Amt an Michael Süß abgeben und den Börsengang von Osram vorbereiten.

Mit dem vierten Sektor neben den drei bestehenden Industrie, Energie und Medizintechnik will Siemens am dynamischen Wachstum der Städte und der Infrastruktur-Investitionen teilhaben. Löscher sagte: "Wir richten Siemens auf Technologieführerschaft auf einem breiten Spektrum von Energieeffizienz-Lösungen in Städten und für Industrie-Branchen aus."

Der neue Sektor bekommt aus dem Industriegeschäft die Sparten Verkehr und Gebäudetechnik und aus dem Energiesektor die Stromverteilung. Ziel seien die Integration von Technologien und maßgeschneiderte Energieeffizienz-Lösungen für private und öffentliche Infrastrukturen, erklärte Siemens. Der bislang mit Abstand größte Sektor Industrie soll sich künftig voll auf Industriekunden konzentrieren und sein Branchen- und Servicegeschäft stärken.

Nachdem Löscher den Vorstand nach seinem Amtsantritt gestrafft hat, schafft er jetzt zusätzlich zum Vorstandsressort Städte noch ein weiteres Vorstandsressort Technologie. Es soll unter der Leitung von Klaus Helmrich alle Ressourcen zusammenführen, um schnell und unbürokratisch neue Geschäfte aufzubauen.