Mit einem Neuheitenregal wollen Unternehmen der sachsen-anhaltischen Ernährungswirtschaft und EDEKA die Floprate neu gelisteter Produkte senken. Heimische Firmen haben ab sofort in vier Märkten im Bundesland Gelegenheit zu testen, wie ihre Neuentwicklungen bei Verbrauchern ankommen.

Magdeburg. In den E centern Magdeburg und Meuschau bei Merseburg und in je einem E neukauf-Markt in Halle und in Aschersleben steht ab sofort ein Regal mit Lebensmitteln, die es bisher höchstens auf Messen oder bei Verkostungsaktionen gab: mindestens je sechs Neuentwicklungen bei Frischeprodukten sowie bei ungekühlter Ware. Alle vier Wochen werden zwei Produkte wieder durch neue ersetzt. "Was beim Kunden gut ankommt, wird für ganz Sachsen-Anhalt in die Listung aufgenommen", erklärte EDEKA- Vertriebsleiter Sachsen-An- halt Heiko Grunert. Das bedeutet Präsenz in 152 Märkten. Anderen Vertriebsregionen würden die Produkte dann optional angeboten.

Drei Monate werden den Neuentwicklungen gegeben, sich im Markt zu "bewähren". Greifen die Kunden nach dem ersten Testkauf erneut zu? Das ist die für Industrie und Handel spannende Frage. Deren frühzeitige Beantwortung am Neuheitenregal soll auf beiden Seiten Kosten und Aufwand sparen. Denn: "Bei Käse sind es 80 Prozent, bei Spirituosen 70 Prozent der neuen Produkte, die innerhalb eines Jahres wieder aus den Regalen verschwinden, bei anderen Produkten liegt das irgendwo dazwischen", berichtete der Chef der Agrarmarketinggesellschaft Sachsen-Anhalt (AMG) Thomas Lange. Für den Hersteller sei das ein kaum kalkulierbares Risiko. Er hat in Produktionsanlagen investiert, die nun so womöglich nicht mehr genutzt werden können, und bereits produzierte Ware bleibt liegen. Aber auch der Handel hat Aufwand betrieben, um das neue Produkt in seine Vertriebsschienen aufzunehmen, und ein Teil der unverkäuflichen Ware bleibt bei ihm stehen. Den Service mit dem Neuheitenregal lässt sich der Lebensmittelhändler mit mehreren Monaten Exklusivität aufwiegen. Dann gibt es die neuen Verkaufsschlager nämlich nur bei EDEKA.

"Für uns ist dieser Echttest sehr wichtig", sagte Dirk Thielemann, Vertriebsleiter beim Oschersleber Süßwarenhersteller Bodeta. "Bei Flops holen wir manchmal nicht einmal die Listungsgebühren wieder rein." Gefloppt sind beispielsweise die gefüllten Mürbdragees, die zwar bei Aktionsverkäufen im Sommer guten Absatz finden, aber ansonsten nicht die Wiederver- kaufszahlen bringen, um in der Listung zu bleiben. Im Neuheitenregal testet Bodeta nun Sahne-Bonbons der Sorten extra haselnussig, extra sahnig und extra schokoladig.

Auch Gisela Maeße, Marketingchefin von Feinkost Reich (Ditfurt/Harsleben, Harzkreis), hat es erlebt: "Bärlauch war der Trend schlechthin, und wir dachten, dass wir mit unserer Caviarcreme Bärlauch den Nerv der Kunden treffen", berichtete sie. Aber während die Variante mit Knoblauch hoch in der Verbrauchergunst stand und steht, erfüllte Bärlauch die Erwartungen nicht. Den neuen Matjeshappen in den Varianten Aalrauch und mediterran scheint dieses Schicksal nicht bestimmt. Die gehen am Testregal weg wie warme Semmeln.

Schon mehr als 20 Unternehmen aus dem Netzwerk Ernährungswirtschaft wollen das Testregal mit ihren Neuentwicklungen füllen. Meinung