Eigentlich wollten die Lehrer der Parchener Förderschule einfach nur den Mitgliedern des Stadtrates Genthin zeigen, was sie in den letzten zwei Jahren geschafft haben. Doch der Kreis hat der Besichtigung des Bildungsausschusses nicht zugestimmt. Die kleine Schule läge nicht in ihrer Zuständigkeit.

Parchen l Die Mitglieder des Genthiner Bildungs-, Kultur- und Sozialauschusses wollten für morgen ihren Sitzungsort eigentlich in die Albrecht-Dürer-Förderschule in Parchen verlegen. Doch der Termin wird verschoben. Der Grund: Die Kreisverwaltung hat der Besichtigung nicht zugestimmt. Warum? "Die Zuständigkeit für die Schule liegt beim Landkreis", erklärt Landrat Lothar Finzelberg (parteilos).

Es sei ungewöhnlich, dass ein Ausschuss der Stadt sich so einem Vorort-Termin annimmt. "Es ist wichtig, dass diese unterschiedlichen Zuständigkeiten geklärt sind und ich respektiere sie natürlich", sagt Genthins Bürgermeister Thomas Barz (parteilos). Dem Genthiner Ausschuss sei es um den Schulentwicklungsplan gegangen, welcher gerade auf Kreisebene beraten wird. "In Parchen ist die Angst um den Fortbestand der Schule groß und die Mitglieder wollten sich einfach ein Bild vor Ort verschaffen", begründet Barz den vorerst geplanten Sitzungsort. Sowie die kurzfristigen Termin- entscheidung.

Das Problem: Mit dem neuen Schulentwicklungsplan des Landes wird eine Mindestschülerzahl gefordert, die die Förderschulen im Kreis nicht erreichen. Ein Grund dafür ist, dass immer mehr Förderschüler im Rahmen der Inklusion andere Schulen besuchen. Kirsten Gibtner ist Lehrerin an der Albrecht-Dürer-Förderschule. Sie sagt: "Dabei ist es wichtig, so eine kleine Förderschule wie unsere zu erhalten - hier zählt das Familiäre."

Gibtner hatte sich bereits auf den Besuch der Ausschussmitglieder vorbereitet. "Wir wollten zeigen, was wir in den vergangenen zwei Jahren alles geschafft haben." Es gibt in Parchen jetzt neben einem neuen Entspannungsraum auch ein grünes Klassenzimmer und einen großen Bolzplatz. "Unser Ziel ist es, die bestmöglichen Bedingungen für die Entwicklung der Förderschüler zu schaffen", erklärt Gibtner. Das Kollegium hat neben den Stadtratsmitgliedern auch die Angehörigen des Kreis-Bildungsausschusses eingeladen. Darauf gab es noch keine Antwort.

Suche nach Kompromiss

Ein Kompromiss wäre der gemeinsame Besuch von Mitgliedern des Bildungsauschusses des Kreises sowie denen der Stadt gewesen. "Doch dafür ist es jetzt zu kurzfristig", sagt Hartmut Dehne (CDU). Er ist der Vorsitzende des Kreis-Bildungsausschusses.

"Die Einladungen sind bereits verschickt und die Tagesordnung für die nächste Sitzung steht fest", erklärt Dehne. So eine spontane Veränderung des Sitzungsortes könne aus juristischer Sicht kompliziert werden. Auch für den Kreistagsvorsitzenden Matthias Fickel (CDU) steht fest: "Grundsätzlich ist der Kreis für die Schule zuständig und damit sollten die Mitglieder auf dieser Ebene auch zuerst tätig werden."

Das ist bereits geschehen. Hartmut Dehne war als Ausschussvorsitzender bereits im vergangenen Jahr zu Gast in Parchen. "Ich habe mir die Schule angesehen und mich ausführlich mit der Schulleitung unterhalten", erinnert sich Dehne. Er sehe gerade glücklicherweise nicht die Notwendigkeit eines Besichtigungstermines in der Albrecht-Dürer-Schule. "Ich bin der Meinung, dass die Förderschule keine Bedenken haben muss", so der CDU-Politiker.

Ansonsten sei er immer ein Freund davon, dass sich der Bildungsausschuss vor Ort ein Bild verschafft. "Es ist wichtig, sich die Dinge anzusehen, über die politische Entscheidungen getroffen werden." Gern würde er in einer der kommenden Ausschusssitzungen gemeinsam mit den Genthiner Mitgliedern sich die Parchener Schule ansehen.

Doch für Landrat Lothar Finzelberg hat kurzfristig eine Zusammenarbeit zwischen Stadt und Kreis in einer anderen Angelegenheit Priorität. "Wir planen gemeinsam in eine neue Einrichtung für die Schulspeisung des Bismarckgymnasiums und der Grundschule Stadtmitte zu investieren." Deswegen würden kurzfristig Stadt- und Kreisausschuss gemeinsam beraten. "Wir verbinden Zuständigkeiten da, wo es gemeinsame Interessen gibt", sagt Finzelberg.