Das Jerichower Land braucht eine Imagekampagne. Das war das Ergebnis des Bürgerdia-logs in der Kreisvolkshochschule im Mai 2013. Eine Delegation aus dem Kreis wird die Ergebnisse morgen in Berlin vorstellen - und mit der Bundeskanzlerin diskutieren.

Burg l "Wir müssen mehr auf uns aufmerksam machen", lautete der Tenor des Bürgerdialogs der Kreisvolkshochschule im vergangenen Jahr. "Es gibt zu wenig Werbung, nicht mal in Magdeburg hört man etwas vom Kreis", stellte Jenny Fischer in der Runde vom Mai 2013 fest.

Die gebürtige Ostfriesin lebt seit sechs Jahren in Möser. Heute fährt sie mit einer Delegation aus dem Jerichower Land nach Berlin, um die Ergebnisse des Dialogs mit Teilnehmern aus ganz Deutschland - sowie mit Bundeskanzlerin Angela Merkel - zu diskutieren. So nah war Jenny Fischer der CDU-Politikerin noch nie. "Ich freue mich sehr auf die Veranstaltung, aber aufgeregt bin ich noch nicht." Nur wenige Teilnehmer werden mit Angela Merkel im Podium sitzen - der Rest hört aus den Reihen davor zu. "Ich drängle mich nicht vor", sagt Jenny Fischer mit einem Schmunzeln. Ein bisschen Angst, die richtigen Worte zu finden, sei da mit im Spiel.

Teil der Delegation ist auch der Burger Rüdiger Schöll. Der 66-Jährige kann sich gut vorstellen, eine Frage persönlich an die Kanzlerin zu richten. "Wenn ich eine allgemeine Frage stellen könnte, würde ich die große Einkommensschere ansprechen", sagt Schöll.

Vorher allerdings wird der Burger den anderen Teilnehmern aus Deutschland in einer kleinen Runde die Ergebnisse des Bürgerdialoges im Jerichower Land vorstellen. Dass die danach dem Kreis einen Besuch abstatten, ist gut möglich. Denn Rüdiger Schöll schwärmt für das Jerichower Land: "Hier ist es sehr lebenswert und vor allem vieles sehenswert. Ein Beispiel: mit dem Rad durch die Elbauen."

Die Kreisvolkshochschulleiterin Yvonne Nitzsche muss sich am Donnerstag ein wenig zurückhalten. Sie darf beobachten. "Es gab nur sieben Plätze für Volkshochschul-Mitarbeiter, ich freue mich so, dass ich ausgelost wurde", erklärt Nitzsche. Für sie ist der Bürgerdialog ein wichtiges Mittel der direkten Demokratie. "Die Menschen können Themen diskutieren, die jetzt sogar auf Bundesebene eine Rolle spielen." Diese Dialoge seien die große Chance, selbst etwas beizutragen, sich einzumischen.

Mehr als 700 Menschen loben Kreis-Idee

Und das Ergebnis aus der Runde im Jerichower Land kam bundesweit gut an. Über die Konzepte aus den Bürgerdialogen wurde abgestimmt. Mehr als 700 Personen fanden die Idee aus Burg gut und damit belegte die Kreisvolkshochschule in der Beliebtheit den fünften Platz von 35 Teilnehmern. "Mein Lieblingsort im Jerichower Land", soll die Kampagne heißen, mit der die Bewohner Werbung für ihre Heimat machen, Besucher in den Kreis locken und junge Menschen zum Bleiben überzeugen wollen.

In Berlin geht es um Europa

"Mich interessiert, warum das Thema bei der Abstimmung so gut angekommen ist und ob es noch weitere Vorschläge gibt", erklärt Nitzsche. Darauf ist auch Jenny Fischer gespannt. Sie wird an einem anderen Tisch als Rüdiger Schöll das Konzept aus dem Jerichower Land vorstellen. "Das Thema Tourismus-Förderung ist für mich immer noch eines der interessantesten", sagt die 52-Jährige. Viele verreisen ins Ausland - doch die schönen Orte direkt vor ihrer Haustür kennen sie nicht. Aus Sachsen-Anhalt sei die Delegation die Einzige, die nach Berlin reist.

In der Berliner Abschlussveranstaltung wird es sich um große Leitfragen zum Thema "Unser Europa" drehen. "Was hält uns zusammen?", "Wie gehen wir mit der Krise um?" und "Welche Verantwortung trägt Europa in der Welt?". Fragen, auf die Teilnehmer aus ganz Deutschland gemeinsam mit der Bundeskanzlerin erste Antworten finden wollen - darunter fünf Vertreter aus dem Jerichower Land.