Der angedachte Umzug der Verwaltung der Wohnungsbaugesellschaft in das Möckeraner Wohngebiet hat möglicherweise Konsequenzen für Bücherwürmer: Die Bibliothek am Hohenziatzer Weg könnte deswegen umziehen müssen.

Möckern l Die Wohnungsbaugesellschaft Möckern will künftig den ungenutzten Jugendclub neben dem Gelände der Kindertagesstätte "Birkenhain" im Hohenziatzer Weg nutzen (Volksstimme berichtete). Damit möchte man mittelfristig für die Mieter im Neubaugebiet kurze Wege ermöglichen.

Beide derzeit bestehenden Geschäftsstellen der Wobau Loburg und Möckern sind nach Zusammenlegung der Verwaltung nicht für die notwendige Erweiterung geeignet. Der Flächenbedarf für den künftigen Hauptsitz liegt bei 290 Quadratmetern. Weil man ein lange leerstehendes - aber mit dem neu gebauten Aufzug wieder nutzbares - Dachgeschoss eines Mehrgeschossers im Hohenziatzer Weg wieder vermieten möchte, kam nur der Jugendclub für einen künftigen Verwaltungssitz in Frage.

Alternativen angeboten

Daraus entwickelt sich möglicherweise ein "Häuslein-wechsel-dich-Spiel". Denn wie in der jüngsten Sitzung des Ortschaftsrates zu erfahren war, reicht der Platz des Jugendclubs nicht für die ganze Wobau-Verwaltung. Es müssten die Räumlichkeiten der dahinter gelegenen kommunalen Bibliothek mitgenutzt werden.

Die Bücherei soll dafür in die ehemalige "Wiesenhof"-Verkaufseinrichtung umziehen. Die befindet sich gleich auf der anderen Seite der Kita "Birkenhain" am Kreisverkehr und müsste "zeitgemäß hergerichtet" werden.

Wer trägt die Kosten?

Diese Vorstellung behagt nicht allen Möckeraner Ortschaftsräten sofort: "Die Sanierung des alten Hähnchenmarktes verursacht doch auch Kosten", merkte etwa der stellvertretende Ortsbürgermeister Detlef Friedrich an. Diese halten sich nach Angaben von Stadtbürgermeister Frank von Holly aber in Grenzen: Im Beschlussvorschlag, der dem Ortschaftsrat vorlag, heißt es zudem, der Stadt Möckern entstehen keine Kosten. Allerdings ist die Wobau-Gesellschaft eine 100-prozentige Tochter der Stadt Möckern. Alle im Gespräch befindlichen Gebäude sind stadteigen.

Auch die ehrenamtlich tätige Bibliothekarin Regina Falke blickt mit Skepsis auf einen Umzug ihrer Bildungs- und Freizeiteinrichtung. Sie macht Alternativvorschläge: "Bevor man die Bibliothek an ihrem jetzigen Standort aufgibt, sollte man überlegen, den Jugendclub nach vorne zu erweitern." Würde man das Gebäude um drei Segmente nach vorne verlängern, ergäbe sich eine Fläche von neun mal zwölf Metern. Dies entspricht nach Aussagen der Bibliothekarin der Fläche der gegenwärtigen Bibliothek. Derzeit steht auf dem geeigneten Vorplatz eine ungenutzte Tischtennisplatte. Die unbeheizten Räume des Jugendclubs werden vom Hausmeister der Kita als Lager genutzt.

Der Vorschlag von Regina Falke sieht vor, dass statt der Bücher dieses Kita-Lager in den Hähnchenverkauf umziehen könnte: "Diese Räume könnten mit geringerem Aufwand als unbeheizte Lagerräume für den Kindergarten hergerichtet werden." Von einem Umzug der Bibliothek näher in Richtung Stadtzentrum rät Regina Falke ab: "Die meisten Nutzer kommen aus dem Wohngebiet und von der Kita."

Der Ortschaftsrat beschloss mit vier Ja-Stimmen und einer Enthaltung den Entwurf der Stadtverwaltung, jedoch mit dem Zusatz, den Antrag von Regina Falke überprüfen zu lassen.