Burg/Genthin l Obdachlosigkeit spielt im Jerichower Land nicht die Rolle wie in den deutschen Metropolen Berlin oder Hamburg. Burg-Süd ist nicht Bahnhof Zoo. Dennoch gibt es im Landkreis derzeit knapp 50 Menschen, die die Behörden als obdachlos einstufen.

In Form von Notunterkünften kümmert sich die Diakonie (im Auftrag des Landkreises) zunächst um solche Fälle, bevor weitere Maßnahmen für die Betroffenen eingeleitet werden. "Solche Menschen bekommen Hilfe, egal, ob sie die Obdachlosigkeit selbst verschuldet haben oder nicht", erklärte Hans-Jürgen Conrady kürzlich im Sozialausschuss des Kreistages. Dem Sozialamtsleiter zufolge handelt es sich weniger um junge Leute, als um Menschen mittleren Alters: "Die Anzahl von Männern und Frauen hält sich die Waage." Dem Leben auf der Straße gehen meist Mietschulden und wie Conrady erklärt, "mietwidriges Verhalten" voraus. Oft seien auch Alkoholprobleme, ein falscher Umgang mit Geld und fehlende Berufsabschlüsse im Spiel.

Die ein oder andere Notunterkunft hat sich mittlerweile zur Dauerwohnung entwickelt. Amtsleiter Conrady: "Wir wissen, dass einige Leute, die sich in den Unterkünften eingerichtet haben, ein Suchtproblem haben. Bei ihnen liegt häufig die Bereitschaft nicht vor, Hilfe anzunehmen, zum Beispiel Pflege."

Ganz besondere Fürsorge

Ausschuss-Vorsitzende Elke Fenger-Schwindack kritisierte die Budgetierung des Landkreises: "Diese Menschen haben ein Defizit, es bedarf einer ganz besonderen Fürsorge." Deshalb sei eine Budget-Erhöhung notwendig.

Das sieht der amtierende Landrat Bernhard Braun anders: "Die Schwierigkeit besteht darin, einige dieser Menschen überhaupt zu erreichen. Es gibt mehrere Fälle, die jedwede Hilfe ablehnen." Elke Fenger-Schwindack sieht die persönlichen Schicksale von der Verwaltung nicht ausreichend berücksichtigt: "Auch Menschen mit einer Alkoholkrankheit, die sich nicht therapieren lassen wollen, haben das Recht, ein angemessenes Angebot zu bekommen."