Burg/Jerichow l Um zwei Minuten nach Mitternacht brach am Montag, 10. Juni 2013, in Fischbeck der Deich. Erst mit einer spektakulären Sprengaktion konnte das Leck am 15. Juni 2013 geschlossen werden. Drei Schuten wurden versenkt, wobei sich die gesamte Aktion den ganzen Tag hinzog, ehe um 19.48 Uhr die finale Sprengung stattfand. Auch wenn das Loch, das zuletzt auf einer Länge von rund neun Metern klaffte, nicht ganz geschlossen werden konnte, so war es doch zu 75 Prozent geglückt. Innerhalb einer Woche war so viel Wasser durch die Bruchstelle geflossen, dass 200 Quadratkilometer geflutet worden waren. Um das zukünftig zu verhindern, wird zwischen Jerichow und der B188 ein komplett neuer Deich gebaut. Die Bauarbeiten sollen noch in diesem Jahr beginnen.

"Das Land Sachsen-Anhalt hat diesen Deich zur Priorität gemacht."

"Das Land hat diesen Deich zur Priorität gemacht. Die Vorplanungen dazu haben bereits im August 2013 begonnen", sagte Karin Duckstein von der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises bei der vergangenen Sitzung des Umweltausschusses. Ende März dieses Jahres habe es eine weitere Beratung mit den zuständigen Behörden gegeben. "Generell werde der neue Deich auf der alten Trasse verlaufen, nur dass wir die Spitzen und Bögen rauslassen und die Trasse begradigen", informierte Duckstein.

Insgesamt werden zwischen Jerichow und der B188 sieben Kilometer Deich geplant und neu gebaut. Die Kosten dafür schätzt Burkhard Henning, Leiter des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW), auf zwölf bis 15 Millionen Euro. Dabei werde der Bau in zwei Abschnitte unterteilt. "Der erste wird von der B188 bis zur Deichbruchstelle gehen. Hier werden die Bauarbeiten auch beginnen. Der zweite führt dann von der Deichbruchstelle bis nach Jerichow", erklärt Henning. Der neue Schutzwall wird DIN-gerecht als Drei-Zonen-Deich aufgebaut. "Bei langanhaltendem Hochwasser kann man ein Eindringen des Wassers nicht verhindern, aber mit der neuen Bauweise können wir es wieder gezielt durch den Deich führen", erklärt der LHW-Leiter einen Vorteil. Zudem werde der Deich um die acht Meter breiter als der alte. "Dazu wird es dann auf der Deichkrone einen Kontrollweg geben", betont Henning.

"Wir wollen die Inanspruchnahme von Flächen gering halten."

Während die Planungen für den ersten Bauabschnitt weitestgehend abgeschlossen sind, bedarf es Richtung Jerichow noch weitere Optimierungen. "Mit der Trasse bleiben wir in Richtung des Ortes immer mehr auf der alten Strecke, um die Inanspruchnahme von Flächen möglichst gering zu halten", erklärt Henning. Neben den Flächen waren es auch der Untergrund sowie der Naturschutz, die die Planungen bisher begleitet haben. "Wir werden uns hier weiter mit den Beteiligten abstimmen", so der LHW-Leiter.

Während der Bauarbeiten müssen entsprechende Sicherheitsvorkehrungen für ein mögliches Hochwasser getroffen werden. "Die Firmen vor Ort müssen einen entsprechenden Hochwasserschutzplan erstellen. Trotz der Bauarbeiten wird das Umfeld gesichert sein", betont Henning. Zudem werde der neue Deich parallel zum alten errichtet. Die Bauzeit hänge von verschiedenen Faktoren ab. "Wenn alles optimal läuft, rechne ich mit einer Fertigstellung 2016/2017. Unser Ziel ist es natürlich, so kurz wie möglich zu bauen", sagt der LHW-Leiter.

Edmund Herrmann, Geschäftsführer des Kreis-Bauernverbandes, gab im Umweltausschuss zu bedenken, dass man wirklich nicht viel Zeit hätte. "Im vergangenen Jahr standen 14000 Hektar landwirtschaftliche Fläche unter Wasser. Die Bürokratie sollte einem schnellen Bau nicht im Wege stehen", mahnte er an. Zudem müsse nicht nur technischer Hochwasserschutz betrieben, sondern auch an ausreichend Retentionsflächen gedacht werden, so der Geschäftsführer des Bauernverbandes.

"Die Bürokratie sollte einem schnellen Bau nicht im Wege stehen."

Karin Duckstein betonte, dass das Verfahren erst komplett naturschutzrechtlich abgearbeitet werden müsse. Danach könne der Bau beginnen. "Wir flicken hier nicht nur, sondern bauen komplett neu", begründete die Mitarbeiterin der Kreisverwaltung. Kreisvorstand Bernd Girke: "Bis 2020 sollen alle Elbdeiche normgerecht sein. Bis dahin leben wir in der Gefahr, dass so etwas wie im Juni 2013 wieder passieren kann."