Erwartungsgemäß gewann der Drittligist Hallescher FC gegen den Burger BC das Landespokal-Halbfinale mit 5:0. Blieb es vor dem Anstoß und während des Spiels ruhig, musste die Polizei nach Spielende Fangruppen voneinander trennen. Eine Person wurde mit einer Kopfverletzung ins Krankenhaus gebracht.

Burg l Abpfiff. Die Spieler des Halleschen FC wollen sich nach dem verdienten 5:0-Sieg bei den knapp 150 mitgereisten Fans bedanken. Dazu kommt es nicht. Plötzlich schwappt die ansonsten friedliche Stimmung über. Anhänger des 1. FC Magdeburg provozieren die gegnerische Fangruppe. Die Fanlager von Halle und Magdeburg sind seit Jahren verfeindet. Wild gestikulierend und lautstark wird gepöbelt. An den Bauzäunen, die beide Lager voneinander trennen, wird gerüttelt. Einige Fans gelangen auf die Tartanbahn in den Innenbereich des Stadions, einer stürzt und bleibt regungslos liegen. Andere rennen von der Haupttribüne rüber, um sich den anbahnenden Tumulten anzuschließen. Keine Überraschung für Ordner und Polizei. Schon am Mittwochnachmittag postieren sich in der gesamten Kreisstadt Einsatzkräfte.

17.23 Uhr wird der Zug erwartet, mit dem ein Großteil der Hallenser Fans anreist. Zehn bis 15 Polizeiwagen sind am Burger Bahnhof vorgefahren. "Bisher läuft alles unproblematisch. Wir sind entspannt", sagt Polizeisprecher Thomas Kriebitzsch kurz vor der Ankunft. Die Fans werden in Empfang genommen. Viele sind rot-weiß, den Farben ihres Teams, gekleidet, haben Trikots oder Schals an. Andere tragen schwarze Hosen, schwarze Pullover und verdecken mit schwarzen Sonnenbrillen ihre Augen. Fotografiert werden will keiner. Taucht eine Kamera auf, wird es aggressiv. "Pack die Kamera weg, du Penner", schreien sie fast im Chor. Rechts und links begleiten die Beamten der Bereitschaftspolizei die Fans durch den Goethepark, an der Stadthalle vorbei Richtung Berufsschule. Noch 30 Minuten bis zum Anstoß.

Von der Oberstraße gelangt die 90-Mann-starke Gruppe in die Grabower Straße bis zur Pulverstraße, wo ein separater Eingang in das Stadion eingerichtet ist. Fangesänge wie "Hier regiert der HFC" bleiben die Ausnahme. Noch zehn Minuten bis zum Anstoß.

Das Spiel nimmt seinen erwarteten Verlauf. Der höherklassige Gegner setzt sich deutlich durch. Die HFC-Fans skandieren "Finale". Die BBC-Anhänger applaudieren ihrer wacker kämpfenden Mannschaft. Die Stimmung ist ausgelassen. Nur vereinzelt gibt es hämische Gesänge gegen den 1. FC Magdeburg oder eben gegen den HFC. Doch die Stimmung ist keineswegs aggressiv.

Aggressiv wird es erst nach dem Spiel. Das Eingreifen des Sicherheitspersonals und der in den Fanblock der HFC-Fans eilenden Polizisten verhindert weitere Ausschreitungen. Die Situation ist schnell unter Kontrolle. Die Saalestädter werden umgehend aus ihrem Block wieder in die Pulverstraße geleitet, um sie zum zurück zum Bahnhof zu begleiten. "Letztendlich ist nichts Außergewöhnliches passiert. Wir waren auf derartige Scharmützel vorbereitet", erklärt Kriebitzsch. Mit knapp 200 Polizisten aus dem Revier Jerichower Land sowie vom Zentralen Einsatzdienst und der Bereitschaftspolizei wurde das Spiel im Vorfeld gesichert. Der Rückweg der Hallenser bedeutet Arbeit für die Polizisten. "Immer wieder haben so genannte FCM-Fans versucht, an die von uns bewachten HFC-Fans zu gelangen. Das konnten wir unterbinden", erzählt Kriebitzsch. Es bleibt bei verbalen Auseinandersetzungen. Dennoch verpasst die Gruppe ihren Zug, so dass die Polizei mit ihnen bis 21.33 Uhr am Bahnhof wartet. Direkte Konfrontationen unterbindet die Polizei auch in diesem Zeitraum. Im Zug werden die Fans der Bundespolizei übergeben. FCM-Fans blockieren den Bahnübergang an der Blumenthaler Straße. Die Polizei greift ein. Mit zehnminütiger Verspätung treten die Hallenser ihre Heimreise an. "Im Großen und Ganzen war es ein ruhiger Einsatz, der ohne große Vorkommnisse geblieben ist", fasst Kriebitzsch zusammen.

Folgenschwer ist dagegen das Spiel für einen FCM-Fan ausgegangen. Als er sich den Tumulten nach Spielende anschließen will, stürzt er ohne Fremdeinwirkung und fällt unglücklich auf den Kopf. Er muss verletzt in ein Krankenhaus eingeliefert werden. "Es geht ihm aber schon wieder soweit ganz gut. Die Verletzung ist nicht so schwerwiegend, wie es anfangs ausgesehen hat", sagte BBC-Präsident Lars-Uwe Matthias gestern.

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