Bundespräsident Gauck ist wieder weg, die Meisterhäuser bleiben. Auch zum Stolz der Handwerker, die daran bauten. Die meisten kommen aus Sachsen-Anhalt, ein Metallbauer aus Zerbst ist auch darunter.

Zerbst l Puristisch, geradlinig. "Die Form folgt der Funktion. Die Bauhausmeister sind genau mein Ding. Dass unser Unternehmen beim Wiederaufbau des Meisterhaus-Ensembles in Dessau einbezogen wurde, ist eine Ehre und macht schon stolz." Michael Erxleben, Geschäftsführer der Zerbster Firma "Er+Te Stahl und Metallbau GmbH", mustert Verkleidungen, Absturzsicherungen, Geländer, Brandmeldetüren, Handläufe und vor allem die rund 140 Bildeinhängepunkte im Meisterhaus Moholy-Nagy und im Gropiushaus. Die Zerbster Firma hat hiesiges Handwerk im Meisterhausensemble beweisen können.

Insbesondere die schwer zu entdeckenden Bildaufhängepunkte, die in den meisten Räumen der beiden Häuser angebracht wurden, waren eine Herausforderung. "Eine Eigenentwicklung. Gefordert waren flächenbündige Möglichkeiten zum Anbringen verschiedenster Exponate. Bilder, Plakate, Tafeln. Nicht benutzt, sollten sie möglichst unsichtbar sein. Wir haben ein mehrteiliges Metalldübelsystem entwickelt, das diesen Eigenschaften entspricht." Erxleben mag nicht von "Dübeln" sprechen, vielmehr von Unikaten, von Innovation ganz im Sinne der Bauhausmeister.

Zwischen Januar und Mai waren die Zerbster für die Meisterhäuser tätig. Unmittelbar vor der Einweihung, zu der Bundespräsident Joachim Gauck vor sechs Tagen nach Dessau kam, hatten die Handwerker Gelegenheit, Privataufnahmen auf der "Baustelle" fertigen zu können. Denn die Einweihungsfeier selbst sah vor allem Architekten, politische und gesellschaftliche Größen in der Meisterhaussiedlung. "Egal. Auch so sind vor allem Architekten längst auf die mit den Meisterhäusern beschäftigten Firmen aufmerksam geworden. Man spricht uns an." Und das mache stolz.

Wie den Zerbster Metallbauern ergeht es auch weiteren der beim Bau eingebundenen Handwerks-Betrieben. Bemerkenswert ist: Die meisten kommen aus der Region oder aus angrenzenden Bundesländern. Die Zimmerleute kamen aus Halberstadt, die Dachdecker aus Zörbig, die Heizungs- und Sanitärfachleute aus Halle, die Außenanlagen wurden von einer Köthener Firma gestaltet. Allein aus Dessau waren sechs Firmen eingebunden. Lediglich die Rohbauten wurden von einer bayerischen Firma errichtet, die Aufzüge von Hessen, die Fenster kamen aus Baden-Württemberg.

Die Meisterhäuser sind längst nicht die einzige Baustelle des Zerbster Unternehmens. Ohnehin der Grundhaltung der Bauhaus-Altvorderen sehr zugetan, ist Er+Te seit zwei Jahren Partner der Bauhausstiftung. Unterstützt mit Leistungen, Know-How, auch mit Spenden. Am früheren Dessauer Arbeitsamt (ein Gropiusbau), an Hörsaalgebäude und Bibliothek der Fachhochschule Anhalt in Dessau, am Bauhaus selbst wurden Metallbauleistungen realisiert. Zudem ist das Unternehmen auch bereits für Leistungen am Umweltbundesamt in Dessau wie auch am Schloss Luisium in Dessau-Waldersee gebunden worden.

Doch besonders stolz sind die Zerbster eben auf ihren Leistungsanteil beim Wiederaufbau der 1945 zerstörten und nun für rund 4,16 Millionen Euro wieder errichteten beiden Meisterhäuser. "Dieser Baustil ist für mich absolut genial. Die Bauhaus-Architektur, der Raumzuschnitt der Gebäude, die innovative Ausstattung mit Einbauten, die das tägliche Leben erleichtern, wird völlig zu Recht nach wie vor in aller Welt beachtet. Klar, die Geschmäcker sind verschieden, aber die absolut puristische Formensprache in Kombination mit komplexer Haustechnik-Ausstattung kann nur begeistern. Ich bin sehr glücklich, mit der Meisterhaussiedlung einen solch authentischen Bezugspunkt hier in der Heimat zu haben."