Lostau l Dass das Hochwasser 2013 eben noch nicht abgehakt ist, sieht jeder, der Alt Lostau passiert. Häuser wurden abgerissen, Schilder warnen noch immer vor Hochwasserschäden. Mit ihrer Bildergalerie zu den dramatischen Ereignissen im Juni vorigen Jahres wollen Marlies und Siegfried Getzlaff vom Lostauer Heimatverein ein Stück Erinnerung schaffen. Erinnerung an den Schrecken, an die Herausforderungen und an die große Hilfsbereitschaft.

Die Grundbrücke auf dem Elberadweg direkt hinter Alt Lostau ist am 4. Juni 2013 schon überspült, aber das ist nicht ungewöhnlich. Der Reitplatz zwischen Altem und Kleinen Dorf liegt vom Wasser noch unberührt. Idylle pur vermitteln die ersten Fotos. Der Sandsackplatz wird eingerichtet und Tiere in Sicherheit gebracht. Die Deichwachen sind rund um die Uhr im Einsatz.

Einen Tag später muss schon der Schuldamm (Fuß- und Radweg) nach Alt Lostau benutzt werden, um dort trockenen Fußes hinzugelangen. Noch reicht die Zeit für die schnelle Heuernte.

Für den Film hatte Siegfried Getzlaff, der am Dienstagabend krankheitsbedingt fehlte, tausende Fotografien zur Verfügung. Viele davon hat er selbst angefertigt. Die richtige Auswahl zu treffen, sei schwierig gewesen, sagte Marlies Getzlaff. Sie hatte das Hochwassertagebuch geführt und nannte während des Filmes hin und wieder Eckdaten. Ihr war es aber wichtig, dass die Zuschauer vor allem die Bilder auf sich einwirken lassen konnten.

Am Donnerstag, 6. Juni 2013, wird das Ausmaß des Hochwassers so langsam deutlich. Der Weg nach Gerwisch ist nicht mehr passierbar. Der Schuldamm steht ab Abend unter Wasser und erste Alt Lostauer verlassen ihre Häuser. Das Publikum im Gemeindezentrum reagierte am Dienstagabend mitgenommen, als mit den Fotografien des immer höher von Wasser eingeschlossenen Alt Lostaus die Erinnerung an die Angst und Gefahr zurückkehrte.

Am Freitagmorgen wurde in der Siedlung, am Weinberg und an der Ziegelei der Strom abgestellt. Alt Lostau war nur noch im Boot zu erreichen. Aus Richtung Weinberg betrachtet ragen dort nur noch die Dächer aus dem Wasser.

"Die Lage wird kritischer", sagte Marlies Getzlaff, als die Fotografien vom Sonnabend, 8. Juni, über den Bildschirm flackern. Die Höhe des Jahrhunderthochwassers 2002 ist erreicht. In Barby steht der Pegel auf Rekordhöhe: 7,62 Meter.

Auf dem Supermarktplatz schwitzen Frauen und Männer beim Füllen von Sandsäcken. Der Damm an der Alten Ziegelei droht zu brechen. Querdeiche werden in Windeseile errichtet. Vom Reitplatz sind nur noch die Dächer zu erkennen.

Viele der Zuschauer vom Dienstagabend hatten beim Hochwasser 2013 zu den Freiwilligen gehört. "Sie wissen, wie gut die Verpflegung der Helfer geklappt hat, woher uns überall Hilfe erreicht hat."

Am Sonntagmorgen ist die Gefahr am größten. Der Bahndamm droht abzurutschen. Ein Luftbild zeigt, dass in Alt Lostau nur noch kleine Flächen trocken sind. Fotos spiegeln die Arbeit auf den Sandsackplätzen und den unermüdlichen Transport wider.

Zivilisten dürfen ab Montag nicht mehr an den Deich: zu gefährlich. Aber es gibt auch erste gute Nachrichten. Das Wasser sinkt um 40 Zentimeter. Damit liegt es immer noch 20 Zentimeter höher als 2002. Am Dienstag sind die ersten Bänke auf dem Schuldamm sichtbar. Einen Tag später reisen die ersten Hilfsgruppen ab. Bis zum Abend sinkt das Wasser 40 Zentimeter unter den Stand von 2002. Am Donnerstag dürfen die Alt Lostauer über den Schuldamm in ihre Häuser. Auf der Straße türmen sich Möbel und Geräte, vom Wasser ruiniert. Keller werden ausgepumpt. "Wenn man die Bilder sieht, kann man nicht von Entspannung sprechen", sagte Marlies Getzlaff. Die Fotos zeigen die Gegensätze: Oben leuchtendes Grün an Bäumen, unten, wo das Wasser gestanden hatte, dreckiges Grau. Impressionen der zerstörerischen Kraft des Hochwassers.