Zum ersten Mal in ihrer Geschichte hat die Ortschaft Heyrothsberge einen eigenständigen Ortschaftsrat und einen ehrenamtlichen Ortsbürgermeister. Die am 25. Mai gewählten Mitglieder des neuen Rates bestimmten am Dienstagabend Kurt Sattler zum Ortsbürgermeister.

Heyrothsberge l Gustav-Adolf Schur, mit 83 Jahren ältestes Mitglied des Heyrothsberger Rates, leitete den historischen Wahlakt. Zuvor hatte er bedauert, dass nur zwei Heyrothsberger Einwohner dieser für den Ort geschichtsträchtigen Sitzung beiwohnten. Auch die anderen Räte konnten ihre Enttäuschung über das geringe Interesse nicht verbergen. Denn schon seit Jahren strebt Heyrothsberge nach Selbständigkeit. Die mit 970 Einwohnern immerhin drittgrößte Ortschaft der Einheitsgemeinde Biederitz war immer ein Ortsteil von Biederitz. Nur für eine sehr kurze Zeit soll es vor Jahrzehnten in Heyrothsberge mal einen Ortsvorsteher gegeben haben.

Die Wahl des 71-jährigen Kurt Sattler und seines Stellvertreters Heino Riethmüller - Jahrgang 1975 - verlief unspektakulär. Zwischen der dreiköpfigen Fraktion der Linken und der zwei Mann starken Gruppe der unabhängigen Wählergemeinschaft Aktiv für Bürger Ortschaft Heyrothsberge herrschte Konsens über die Personalien. Beide Wahlen erfolgten einstimmig auch mit den Voten von Siegfried Janke von der Unabhängigen Wählergemeinschaft (UWG) der Einheitsgemeinde Biederitz und von Dr. Horst Walter Nopens von der CDU.

Der Rat will die Ortschaft Heyrothsbege für die Bürger weiter attraktiv machen. Sattler und Riethmüller wünschen sich, dass die Einwohner auf die Räte zukommen mögen, um ihre Wünsche, Nöte und Empfehlungen kund zu tun.

Zur Stärkung der Identität und des Heimatstolzes der Heyrothsberger wird sich die Ortschaft auch ein Wappen geben. Die Bürger sind aufgerufen, dazu für die Ortschaft typische Vorschläge zu unterbreiten.

Gemeindebürgermeister Kay Gericke hatte zu Sitzungsbeginn allen herzlich gedankt, die die Bildung des Heyrothsberger Rates ermöglicht hatten. Dass Heyrothsberge die Möglichkeit zur Selbständigkeit erhält, ist vor sechs Jahren im Gebietsänderungsvertrag zur Bildung der Einheitsgemeinde festgeschrieben worden.

Gericke machte auf das Problem der Festlegung einer Gemarkungsgrenze zwischen Biederitz und Heyrothsberge aufmerksam. Man einigte sich nach wenigen Worten auf den Verlauf der alten Kanonenbahn.