In einer Arbeitsberatung hat sich der Ortschaftsrat Rietzel noch einmal mit dem derzeitigen Zustand der Kläranlage befasst.

Von Bettina Schütze

Rietzel l Seit 2010 ist in der Rietzeler Kläranlage nichts mehr passiert, außer der Kündigung von Verträgen, machte Ortsbürgermeister Horst Pötter deutlich. "Der derzeitige Zustand und die daraus resultierenden Havarien sind nicht unsere Schuld. Die Abwasser-entsorgung ist eine Pflichtaufgabe der Kommune." Er wehrte sich auch dagegen, dass die Rietzeler einen Vorteil gegenüber den im AZV Möckern verankerten Ortschaften gehabt hätten. Und Ortschaftsrat Wolfgang Wytrwat fügte hinzu: "Wir haben eigentlich für die Stadt Möckern gearbeitet. Wir sind als gesunde Frau in die Ehe mit Möckern gegangen." Ortschaftsrätin Doris Kühne fragte nach: "Warum ist die Stadt nicht längst auf uns zugekommen und hat gesagt, wir schaffen es nicht?" Ortsbürgermeister Horst Pötter brachte die Befürchtungen der Rietzeler auf den Punkt: "Die Kläranlage war in die Gemeinschaftsvereinbarung bei der Eingliederung in die Stadt Möckern mit einbezogen. Es darf nicht sein, dass die kleinen Dörfer hinten runter fallen. Wir wollen keine goldenen Pflastersteine, nur das erhalten, was wir haben."

Möckerns Stadtbürgermeister Frank von Holly hatte schon im Vorfeld der Arbeitsberatung die Verantwortung für den derzeitigen Zustand der Kläranlage übernommen. Diese bestätigte er in der Arbeitsberatung noch einmal und ergänzte: "Wir haben uns bei den Personen, die an der Kläranlage arbeiten, gegenseitig aufeinander verlassen und dadurch die Kontrollen vernachlässigt." Er wehrte sich gegen indirekte Vorwürfe, die "Kläranlage durch die Hintertür beseitigen zu wollen". "Im Gegenteil, ich finde diese Systeme richtig, auch in Krüssau und Stresow", so Frank von Holly. Die Kläranlage wird weiterhin ein separater Abrechnungsbereich sein.

Der Ortsbürgermeister blickte noch einmal auf den Werdegang zurück. So waren sowohl die Kläranlage in Rietzel als auch die in Krüssau zum Zeitpunkt des Beitritts in einem ordnungsgemäßen Zustand. Es gab damals das Bestreben vom Land Sachsen-Anhalt, Rietzel, Krüssau und Stresow nach Blumenthal anzuschließen. Dazu wurde ein Gutachten erarbeitet. "Geworden ist daraus aber nichts. Auch Stresow ist heute noch in Betrieb", so Horst Pötter.

Die Rietzeler erhielten Umweltauflagen, die alle abgearbeitet wurden. So wurden unter anderem die Becken abgedichtet, eins zugemacht, neue Schächte gesetzt und verrohrt. Darauf folgte die abwasserrechtliche Genehmigung durch den Landkreis. Horst Pötter: "Wir haben über 200 000 Euro in die Kläranlage investiert. Wir hätten uns für das Geld auch eine Kegelbahn bauen können."

Durch die mangelnde Wartung und Pflege der Kläranlage waren das Gras und das Schilf meterhoch gewachsen. Frank von Holly: "Uns fehlt einfach das Personal, das diese Aufgaben mit erledigen kann." Zwei Jahre lang wurden keine Gebühren einbezogen. 2009 wurde zuletzt, noch über den Trink- und Abwasserverband Genthin (TAV) der Schlamm aus dem Absatzbecken entfernt. Eingetragen werden müssen auch noch die Leitungsgrundrechte. Horst Pötter: "Alle Voraussetzungen dazu sind seit Jahren erledigt."

Die Stadt Möckern hat mittlerweile die Betreuung der Kläranlage in die Hände von Heidewasser gelegt.