Zugang für die Kreisvolkshochschule: Angelika Schwarz aus Kolumbien wird ab Oktober Spanischunterricht geben. Seit drei Jahren lebt sie in Biederitz. Was ihr dort fehlt? Freunde, Familie und frisches Obst.

Biederitz/Burg l Lachend rennen Daniela (4) und Veronika (6) die Treppe in der Biederitzer Wohnung hoch und runter. Irgendwann wird es Mutter Angelika Schwarz zu bunt. Sie redet mit den beiden Mädchen - auf Spanisch. "In ihrer Kita in Gerwisch lernen sie Deutsch, aber wir wollen unsere Sprache nicht verlieren", begründet die 39-Jährige. Ähnlich haben es auch ihre Eltern gemacht.

Ihr deutscher Vater hat sich ursprünglich als Verkäufer in Chile beworben, bekam allerdings eine Absage. Kolumbien war die Alternative. Daraufhin hat er sich in das Land verliebt. "Das passiert jedem Deutschen, der nach Kolumbien reist", sagt Angelika Schwarz mit einem Lächeln im Gesicht. Wenig später lernte er ihre Mutter kennen. "Bei uns zu Hause wurde immer Deutsch gesprochen. Ich habe auch eine deutsche Schule in Bogotá besucht", erinnert sich die heute 39-Jährige. Als sie neun Jahre alt war, wurde sie in ein Flugzeug gesetzt, um für drei Monate bei Gasteltern im Schwarzland die deutsche Sprache weiter zu festigen. Der Kontakt besteht noch heute. "Sie gehören zur Familie. Für meine Kinder sind sie die Großeltern", sagt Angelika Schwarz. Ihre Eltern sind bereits verstorben.

Familie werde groß geschrieben in Kolumbien. "Zu einer Feier kommt auch die Großtante und das Kind vom Großcousin. Das gehört einfach dazu", erzählt die Kolumbianerin. Im Mai dieses Jahres war sie für sechs Wochen in der Heimat. Zwei- bis dreimal im Jahr bekommt sie Besuch in Deutschland. "Die Flüge sind natürlich sehr teuer, aber wüsste ich, dass meine Familie in Europa unterwegs ist, und mich dann nicht besucht, wäre ich traurig", so Angelika Schwarz. Gerade Freunde und Familie sind es, die sie in den letzten vier Jahren häufig vermisst hat.

2010 verließ sie ihre Heimat, um mit ihrem Mann, der für das Pharmaunternehmen Hexal arbeitet, aus beruflichen Gründen nach Südafrika zu gehen. Nach einem Jahr in Johannesburg ging es dann nach Deutschland. Oktober 2011: Innerhalb von drei Wochen schaute sich Angelika Schwarz über 40 Wohnungen in Magdeburg und Umgebung an. "Das war teilweise sehr abenteuerlich", erzählt die Kolumbianerin. Die letzte Wohnung auf der Liste war die in Biederitz. "Ich war in den Weg dorthin, in das Dorf und in die Wohnung gleich verliebt, und habe sofort zugesagt." Mit dem Reisen soll es das nun gewesen sein. Schwarz möchte mit ihrer Familie jetzt in Deutschland bleiben - obwohl vieles anders ist als in der Heimat.

"Die Menschen in Kolumbien sind leb- und liebhaft. Zudem sind sie enorm gastfreundlich", erzählt Angelika Schwarz. Die Kolumbianer seien lässige, liebe Menschen, die viel Freude verbreiten. Die Deutschen beschreibt sie dagegen eher als strukturiert und diszipliniert. Ein ganz entscheidender Unterschied zwischen den beiden Ländern seien die Jahreszeiten. "Die gibt es so in Kolumbien nicht. Ganzjährig haben wir ein mildes Klima. Schnee kennen wir nicht", beschreibt die 39-Jährige. Was das Kulinarische angeht, vermisst sie vor allem frisches Obst, Gemüse und die gepressten Säfte. Dinge, die es eben in Kolumbien an jeder Ecke gäbe. Das "andere Leben" in Kolumbien, die besondere Landschaft und die einzigartige Kultur wolle sie jetzt den Menschen in Deutschland vermitteln.

Ab 7. Oktober bietet Angelika Schwarz an der Kreisvolkshochschule in Burg zwei Spanischkurse für Teilnehmer mit geringen und auch ohne Vorkenntnisse an. "Es ist eine freundliche, romantische Sprache, die schön klingt und eigentlich einfach zu lernen ist", beschreibt die Kolumbianerin. Spanisch sei eine Weltsprache. "Wenn man sich zu einer Teilnahme entschließt, weil man verreisen will, dann öffnet diese Sprache viele Länder und Kulturen", macht sie neugierig auf den Kurs. Die neue Dozentin wolle ihren Unterricht aktiv gestalten und sich nicht an Bücher klammern. "Ich freue mich wahnsinnig. Der Kurs sollte als Hobby betrachtet werden, und wenn es gut klappt, will ich im Unterricht ganz auf die deutsche Sprache verzichten", sagt die Kolumbianerin.

Angelika Schwarz scheint in Deutschland angekommen, sie fühle sich wohl und will hier bleiben. Sie blickt vom Balkon auf die Nadelbäume ihrer neuen Heimat und zieht ein Resümee: "Mein Leben ist in Deutschland, aber in Kolumbien ist mein Herz."