Burg/Genthin/Gommern l Die Unterschiede sind gewaltig. Es gibt Bürgermeister, die mehrmals täglich auf Facebook unterwegs sind - und es gibt Amtsinhaber, die Internet-Kommunikation komplett ablehnen. Genthins Bürgermeister Thomas Barz sagt: "Es ist so, dass ich ohne festes Schema drei- bis viermal am Tag auf die Facebook-Seite schaue und nebenher Mitteilungen poste."

Thomas Barz (Genthin)
Barz gehört zu den eifrigsten Nutzern von digitalen Medien. Er hat einen privaten Facebook-Zugang und einen für die Stadt Genthin. Zudem ist der Bürgermeister der Kanalstadt auch auf Twitter unterwegs. Barz meint: "Als Bürgermeister sollte man private und dienstliche Nachrichten strikt trennen." Was er online macht, ist zweifellos erfolgreich. Seine Thomas-Barz-Stadtseite hat mehr als 1500 Gefällt-mir-Klicks. Wer diesen Button einmal drückt, bekommt alle Genthiner Nachrichten auf seine Seite geschickt. Auf seinem privaten Internet-Auftritt zählt Barz stattliche 1100 Freunde: Promi-Status erfüllt.

Auf seiner Stadtseite postet Barz sämtliche Pressemitteilungen des Rathauses. Aber auch Veranstaltungs-Ankündigungen oder Volksstimme-Beiträge, die die Stadt betreffen. Manchmal entwickeln sich daraus interessante Diskussionen. Beispiel ist ein Fall aus der vergangenen Woche. Die Volksstimme schreibt, dass es für alle Neugeborenen der Stadt in Päckchen gibt. Drinnen sind unter anderem Lätzchen mit dem Titel "Ich bin ein Genthiner." Beziehungsweise Tucheimer, Parchener, Mützeler...

Prompt folgten Kommentare: "Was ist mit den Babys aus Dretzel oder Schattberge?" Barz reagiert umgehend - jetzt bekommen auch sie ihre Lätzchen. Zur Volksstimme sagt der Stadtchef: "Es ist mir schon wichtig zu wissen, wie die Menschen denken und welche Ansprüche sie an meine Arbeit haben." Aus seiner Sicht sind die sozialen Netzwerke "eine Bereicherung der Arbeit für Rathäuser, so bekommen wir Nachrichten auf allen möglichen Kanälen. Unter anderem können Menschen, die nicht mehr in Genthin wohnen, das Stadtgeschehen verfolgen."

Jens Hünerbein (Gommern)
607 Freunde zählt Gommerns Bürgermeister Jens Hünerbein auf seiner Facebook-Seite. Sie erfahren, dass er bei "Stadt Gommern und Sparkasse arbeitet" und das er einst die POS Martin Schwantes und das Burger Schollgymnasium besuchte. Ein bisschen Farbe könnte sein Auftritt durchaus vertragen - der Platz fürs Hintergrund-Foto ist schwarz. Ansonsten kommt Hünerbein sehr sympathisch rüber. Er postet den Eiffelturm aus dem Paris-Urlaub, thematisiert aber auch Landratswahlen, Fläming-Frühlingsfest und Sachsen-Anhalt-Tag.

Uiuiui: Zu sehen ist auch eine gestrickte Unterhose mit eindeutig zweideutiger Elefantenpose. Aber kommentiert hat der Bürgermeister das Wäschestück nicht. Zur Volksstimme sagt Hünerbein: "Ich werfe fast täglich einen Blick auf Facebook." Er hat kein Problem damit, dass sich dienstlich und privat ein wenig vermischt: "Ich teile Sachstände mit und gebe Informationen. Zum beispiel beim Hochwasser im Vorjahr hat sich dies bewährt." Gelegentlich reagiere er auf Kommentare: "Das persönliche Feedback ist eine gute Möglichkeit, eine Resonanz über meine Arbeit zu erhalten."

Steffen Burchhardt (Möser)
An Burchhardts Facebook-Seite kann man den Generationswechsel an der Spitze des Landratsamts deutlich ablesen. Amtsvorgänger Finzelberg eröffnete kurz vor den verlorenen Wahlen im Mai seinen Account, um trockenen Wahlkampf zu betreiben. Ganz anders Steffen Burchhardt - hier findet der Nutzer eine gelungene Mischung aus Infos, Emotionen und netten Banalitäten. Er meint: "Als öffentliche Person ist es wichtig, dass man erreichbar und nahbar ist." Burchhardt sondiert, ob es sich um private oder dienstliche Kommentare handelt: "Ich kann differenzieren, ob jemand den Landrat oder Steffen Burchhardt sprechen will."

Absolut gelungen ist das Aufmacher-Foto ganz oben auf seiner Seite. Es zeigt Burchhardt, wie er seiner Frau Antje kurz vor einem Kuss verliebt anschaut. Derzeit können sich das Bild 330 Freunde mehr oder weniger häufig ansehen. Diese Zahl dürfte sich in den kommenden Monaten noch deutlich erhöhen.

Jörg Rehbaum (Burg)
"Ich bin jetzt auch hier." Diesen Satz postete Burgs Bürgermeister Jörg Rehbaum Ende März auf seinen frischen Facebook-Auftritt. Immerhin wollen seitdem 600 Freunde wissen, was der Stadtchef täglich so treibt. Als großes Seitenfoto hat der Niegripper die Dächer von Burg ausgewählt. Er sagt zur Volksstimme: "Mein Account ist dienstlich angelegt, jedoch ist es nicht immer einfach, dies von Privatem zu trennen." Wir erfahren, dass er Urban-Management in Leipzig studiert hat. Die Kommunikation mit den Nutzern sei ihm wichtig: "Ich versuche, auf alle Kommentare einzugehen und mich der geschilderten Anliegen anzunehmen, deshalb bin ich bei Facebook."

Kay Gericke (Biederitz)
Biederitz` Bürgermeister Kay Gericke lächelt nicht aus seiner Facebook-Seite, sondern "versteckt" sich hinter einer Deutschland-Fahne. Die Spannweite seiner Nachrichten ist riesengroß. Ein Beispiel: "Labrador-Mischlingswelpen in liebevolle Hände abzugeben, geimpft und entwurmt." Ansonsten kann und will Gericke nicht verbergen, dass er sich für Fußball interessiert - dennoch kommt das Gemeindeleben zwischen Feuerwehr und Lärmschutz nicht zu kurz.

Detlef Friedrich (Möckern)
"Ich versuche es, aber die Trennung von privat und dienstlich ist auf Facebook nicht immer möglich", sagt Detlef Friedrich. Sein Foto zeigt Möckerns Ortsbürgermeister auf einer Brücke, im Hintergrund sehen wir die Felsen in der Brandung. Keine Frage: Friedrich ist Fan der SCM-Handballer. Ebenso zeigt er sich begeistert vom Dorffest in Rietzel oder einem Dankeschön-Bild der Kita Birkenhain. Resonanzen auf seine Nachrichten findet er wichtig: "Dumme Sprüche ignoriere ich."

Konrad Zahn (Gommern)
Überraschend aktiv ist Kreishandwerksmeister Konrad Zahn auf Facebook unterwegs. Entsprechend frisch sind seine Nachrichten: "Bisher nur als Privatmann, aber ich überlege, ob ich auch als Malerbetrieb hier einsteige." Noch etwas ist ihm aufgefallen: "Neuigkeiten können süchtig machen. Das Internet und die sozialen Netzwerke nehmen uns immer mehr in Anspruch." Kein Zufall: Auf seinem Foto präsentiert sich Zahn als Steuermann. Derzeit zählt der Handwerker 55 Freunde. Tendenz steigend. Er geht davon aus, dass "immer mehr Menschen aus allen Altersschichten dieses Netzwerk nutzen."

Walter Metscher (Biederitz)
Wie erwartet dominieren Feuerwehr-Themen auf der Seite des Kreisbrandmeisters. Er sagt: "Es ist durchaus schon vorgekommen, dass ich nach Facebook-Kommentaren dienstlich aktiv geworden bin." Jedoch ignoriert er anonyme Kritiken. Offensichtlich hat Metscher auch ein Faible für Hunde, viele Fotos und Infos handeln von den Tieren. Aktuell zählt der Schornsteinfeger-Meister 141 Facebook-Freunde.

   

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