Gerwisch (mla) l Der faule Schüler steckt seine Hände in die Hosentaschen, der fleißige Schüler schreibt emsig auf seiner Tafel. Gerwisch hat sie beide. Sie zieren seit jeher den Eingang in das Schulgebäude vom Breiten Weg aus. Lange Zeit durften die Tür nur Lehrer benutzen, für Schüler war sie tabu. Das Relief über den Eingang verrät mit "AD 1929" außerdem das Baujahr des Schulgebäudes, das seit nunmehr über 20 Jahren die Gerwischer Grundschule beherbergt und seit 2010 wieder seine ursprüngliche, rötliche Fasadenfarbe trägt.

1929 war das Gebäude, finanziert durch die Reichsbahnverwaltung, errichtet worden. Die Bahnverwaltung hatte 1920 die ersten Gebäude der Muna (Munitionsanlage) übernommen und zu Wohnzwecken herrichten lassen. Flüchtlingsfamilien aus Posen und Westpreußen, 1921 noch einmal viele Familien aus dem Danziger Bereich kamen nach Gerwisch. Die vorhandenen Schulgebäude in der Siedlung und im Dorf reichten für die rasant gestiegenen Schülerzahlen nicht mehr aus.

Angesichts des "AD 1929" auf dem Relief gingen die Gerwischer davon aus, dass die Schule auch schon 1929 eingeweiht wurde, erst ein Zufallsfund brachte das tatsächliche Einweihungsdatum wieder ans Licht.

In einem Antiquariat im Norden Sachsen-Anhalts tauchte ein Exemplar der Wenzel-Chronik auf. Lehrer Robert Wenzel hatte diese 1925 anlässlich "100 Jahre Brand von Gerwisch" und dem Wiederaufbau des Dorfes verfasst. Das besagte Exemplar ist zwar schlecht erhalten, aber es trägt einen gut leserlichen Stempel: "Zum Andenken an die Schuleinweihung. Gerwisch, den 7. Januar 30. Gemeinde-Vorstand Gerwisch".

Dem 85-jährigen Bestehen des prägenden Gerwischer Gebäudes wird im Januar eine Schulausstellung gewidmet. Die Ausstellung blickt in Fotos und Texten auf die Schulgeschichte Gerwischs zurück, soweit sie noch rekonstruiert werden kann. Sie beschäftigt sich mit der POS Johannes R. Becher zu DDR-Zeiten genauso wie mit dem inzwischen wieder abgerissenen Schulerweiterungsbau und der Grundschule Gerwisch. Ein großer Wunsch der Macher der Ausstellung ist, so viele Klassenfotos wie möglich zu zeigen. Bislang liegen rund 50 Fotos vor.

Ortsbürgermeisterin Karla Michalski ist extra nach Lindau (Anhalt-Bitterfeld) gefahren, wo die umfangreiche Klassenfoto-Sammlung einen wichtigen Teil der beeindruckenden heimatgeschichtlichen Ausstellung des dortigen Heimat- und Kulturvereins bildet.

Wer sich mit Klassenfotos der Gerwischer Schulen beteiligen möchte, meldet sich bitte bei Manuela Langner telefonisch unter 039292/ 272 16 oder per E-Mail an Manuela.Langner@t-online.de.