Die Quarantänezone für den Asiatischen Laubholzbockkäfer (ALB) wurde erweitert. Das Jerichower Landes ist stärker betroffen als bisher. Die Bundesforst warnt vor dem Insekt. Die Revierförster müssen wachsam sein.

Hohenwarthe/Möser/Biederitz l Gut zehn Kilometer lang und fünf Kilometer breit ist die neue Quarantänezone. Sie erreicht Hohenwarthe aber auch Waldgebiete zwischen Magdeburg und Biederitz. "Im Quarantänegebiet befinden sich Flächen des Landeswaldes, Privatwaldflächen sowie kleinere Waldflächen des Bundesforstes", erklärt Rainer Aumann vom Bundesforstbetrieb Nördliches Sachsen-Anhalt. Die Vergrößerung der Zone wurde veranlasst, weil sechs neue Funde des Insektes im Raum Magdeburg entdeckt wurden.

Aus Sicht der Bundesforst ist der Käfer sehr gefährlich. "Er hat kaum natürliche Feinde. Er ist nur sehr schwer zu entdecken. Die Anzahl geeigneter Fraß- und Brutbäume ist nahezu grenzenlos", erklärt Aumann. Bei dem Käfer sei die Vermehrungsrate sehr hoch. Aumann spricht von 30 bis 70 Eiern. Und: "Aufgrund seiner Flugfähigkeit ist der Käfer mobil und kann sich bei dichtstehenden Laubbäumen rasch ausbreiten." Das Holz der Laubbäume wird durch die Fraßlöcher der Larven entwertet. "Die Bäume sterben oft nach einigen Jahren ab", erklärt der Bundesforstdirektor.

Am stärksten betroffen von der neuen Quarantänezone ist Landesrevierförster Norbert Olschewski. Doch er bleibt relativ gelassen. Denn: "Wir haben hier fast ein reines Kiefernrevier und haben daher noch keinen Kontakt mit dem Käfer gehabt." Für den Landesrevierförster bedeutet die Erweiterung der Zone nur eine erhöhte Wachsamkeit.

Nach Meinung des ALB-Experten Dr. Thomas Schröder vom Julius-Kühn-Institut bestehe die Möglichkeit, dass sich der Käfer in Sachsen-Anhalt seit sechs bis acht Jahren unerkannt ausgebreitet hat. Die Kosten der Bekämpfung liegen bereits jetzt im sechsstelligen Bereich. Das wurde kürzlich auf einer Bürgerversammlung in Magdeburg deutlich.

Aumann weiß um die Schwierigkeit der Bekämpfung des Asiatischen Laubholzbockkäfers. "Die schadenverursachenden Larven fressen im Bauminneren, wo sie mit zugelassenen chemischen Mitteln nicht oder nur sehr schwer bekämpft werden können. Alle befallenen Bäume müssen gefällt und das Holz verbrannt werden", betont der Forstdirektor. Die wirksamste und wichtigste Bekämpfungsmethode sei die Einhaltung der Quarantänebestimmungen auf den Flughäfen, Seehäfen sowie Lkw-Transporten, betont er. Eine Gefahr für den Menschen bestünde allerdings nur indirekt. "Die absterbenden oder abgestorbenen Bäume stellen ein Verkehrssicherungsproblem dar. Vorsicht vor abbrechende Äste und umstürzende Bäume."

Nicht zum ersten Mal macht ein biologischer Schädling den Waldbesitzern zu schaffen. 1918 wurde durch internationalen Handel ein Schlauchpilz aus Ostasien in Europa eingeschleppt, der die einheimischen Ulmen zum Absterben bringt. Übertragen wird dieser Pilz durch den Ulmensplintkäfer, der Löcher für die Eiablage in die Ulmen bohrt. Der Pilz verstopft dann die Wasserleitungsbahnen der Ulme. "Auf den Elbwiesen im Jerichower Land wurden vor 15 Jahren unter anderem zahlreiche Ulmen als Ausgleichs- und Ersatzmaßnahme gepflanzt. Diese sind mittlerweile vollständig dem Ulmensterben zum Opfer gefallen", nennt Aumann ein weiteres Beispiel. Wirksame Gegenmaßnahmen gibt es bislang nicht.

Auch gegen den ALB gebe es keine geeigneten Bekämpfungsmittel. Insektizide, die in den USA angewandt werden, sind in Deutschland nicht erlaubt und würden zudem auch einige Bäume massiv schädigen.