Im fünften Jahr der Einheitsgemeinde Möser zeichnete sich mehr noch als zuvor die finanzielle Notlage der Kommunen ab, konstatierte Gemeindebürgermeister Bernd Köppen im Jahresinterview der Burger Volksstimme, das Thomas Rauwald mit ihm führte.

Volksstimme: Wie lautet, Herr Bürgermeister, das Jahresfazit für 2014 in einem präg- nanten Satz?

Bernd Köppen: Ich sage ab jetzt immer, es ist schon eine ordentliche Leistung, wenn wir die geschaffene Infrastruktur erhalten und die jetzigen freiwilligen Aufgaben fortführen können.

Das klingt nicht gerade zukunftsweisend und optimistisch.

Ich weiß. Mir würde es auch mehr Spaß machen, über ausreichend finanzielle Mittel zu verfügen, um Neues zu schaffen, um zu gestalten statt zu verwalten. Da ist auch in keinster Weise beruhigend, wenn es allen Kommunen ringsum nicht anders geht. Es ist nur die Bestätigung dafür, dass wir in Möser nicht zu blöd sind, unsere Finanzen hinzubekommen. Geldnot ist das Schicksal aller Bürgermeister rundum und insofern wieder eine Art Stärkung für uns.

Glauben Sie, dass das Land die Not der Kommunen erkennt?

Diese dunkle Wolke Finanzen werden wir immer vor uns haben, befürchte ich. Es gibt mal kleine Phasen von scheinbaren Entspannungen, aber die werden gleich wieder zurück genommen. Das Land zieht das jetzt konsequent durch. Auf unsere Kosten. Darauf müssen wird hier unten an der Basis die Bürger einstellen. Die Finanznot der Kommunen ist zwar ein großes Problem für die Dörfer, aber nicht ihre Schuld. Was und wo sollen wir denn nun noch einsparen und abbauen?

Dennoch, Herr Bürgermeister, ist ja schon angedeutet worden, wo noch Reserven liegen.

Ja, das ist richtig und lenkt den Blick ins neue Jahr. Wie schon in der Nachbargemeinde Biederitz werden wird versuchen, Immobilien abzustoßen, die uns mehr Geld kosten als einbringen und die wir zur Durchführung unserer kommunalen Aufgaben auch nicht brauchen.

Nach der Veräußerung des Anlagenvermögens für die Schmutzwasserentsorgung im Jahre 2011 nun ein weiterer Ausverkauf der Gemeinde?

So würde ich das nicht sehen. Die Übertragung der Abwasserversorgung einschließlich der Anlagen dafür an den Wolmirstedter Wasser- und Abwasserzweckverband war eine richtige Entscheidung. Vor allem für die Bürger. In diesem Bereich steigen die Gebühren nicht, sie sinken leicht und liegen auf einem niedrigen Niveau. Mit dem Erlös für das Anlagenvermögen konnten einige Kredite abgelöst werden, was uns finanziellen Gestaltungsraum erschloss. Bei den Immobilen ist es so, dass sie uns überwiegend eine Menge Geld kosten. Und es ist nicht vornehmlich die Aufgabe einer Gemeindeverwaltung, auch Hausverwalter zu sein. Wir werden alle gemeindeeigenen Immobilien überprüften und dem Gemeinderat dann eine Empfehlung geben.

Um welche Gebäude könnte es dabei gehen? Ich möchte hier noch keine konkreten Angaben machen. Das würde Unruhe stiften. So eine Aktion, das haben wir beim Abwasser gesehen, ist nicht unumstritten. Erst sollen die Fakten auf den Tisch. Was bringt ein Haus, und was kostet eine Immobilien. Dann ist zu entscheiden. Jedes Unternehmen, und in dem Sinne rechne ich nun mal hier die Gemeindeverwaltung hinzu, muss zusehen, dass Kosten reduziert werden. Das bezieht sich auch auf den Arbeitsaufwand, den die Verwaltung mit den Immobilien hat. Und hinzu kommt der unbestrittene Umstand, dass die Gemeinde kein Geld hat, die Immobilien regelmäßig instand zu halten. Sie verfallen und bald haben wir in den Dörfern wieder Zustände wie zu DDR-Zeiten.

Nun, einerseits sollen Häuser verkauft werden, andererseits schießt die Gemeinde sehr viel Geld in das Neubaugebiet Grabenbruch in Lostau. Grundstücke wurden erworben und knapp eine Million Euro in den letzten Jahren für die Erschließung in die Jahreshaushalte eingestellt. Die Gemeinde fungiert als Erschließungsträger, hat da also auch eine Menge Arbeit mit. Gut ein Jahr nach dem ersten Spatenstich stehen aber erst zwei Häuser? Ist das effektiv?

Ich weiß, es gab damals, als die Gemeinde sich diesem Projekt widmete, einige Kritiker, die nun eher Aufwind erhalten als dass sie eines besseren belehrt würden. Richtig ist aber auch, dass wir uns das ganze doch ein wenig zügiger vorgestellt hatten. Ich bin mir aber sicher, dass die Vermarktung dort noch Fahrt aufnimmt. Die Flut von 2013 hat nicht gut getan. Lostau verbinden die meisten Auswärtigen mit Hochwasser und Hochwasserschäden. Es ist nicht einfach, deutlich zu machen, dass das Neubaugebiet weit höher gelegen ist als es der Scheitelpunkt vom Sommer 2013 war. Und einen Schandfleck haben wir dort immer noch, die verfallenden Gebäude, die nicht wenige abschrecken.

Und die reingesteckten Gelder?

Da komme ich gleich noch zu. Ich will nur mal noch darauf hinweisen, dass im neuen Wohngebiet am Kanal in Hohenwarthe auch erst richtig die Post abging, als schon mehrere Häuser standen. Nun zum Geld. Es ist richtig, dass mehrere Hunderttausend Euro in drei Haushaltsplänen eingestellt worden waren. Verbaut wurden dort in den ersten beiden Bauabschnitten rund 430 000 Euro. Neben den beiden fertigen Häusern gibt es knapp zehn weitere Interessenten.

Da wir gerade bei einem kleinen Rückblick sind, was konnte die Gemeinde 2014 dennoch auf die Beine stellen?

Ich denke da vor allem an die Erweiterung der Kindereinrichtung von Hohenwarthe. Binnen eines Jahres ist der Ersatzneubau für den Krippenbereich geschaffen worden. Im alten Gebäude sind umfangreiche Sanierungsarbeiten erfolgt, bei denen auch die Eltern fleißig mitgeholfen haben. Vielen Dank dafür. Derzeit wird an den Außenanlagen gearbeitet. Wenn alles gut geht, ziehen die Knirpse aus ihren Ausweichquartieren am 12. Januar in ihren Stammsitz zurück. Viel Aufwand, auch in der Verwaltung bei der Erarbeitung von Fördermittelanträgen, haben uns 2014 die Beseitigung der Flutschäden gekostet. Die Feuerwehren sind nach der Materialschlacht bei der Flut wieder vervollkommnet worden. Auch das gesellschaftliche Leben ist trotz klammer Kassen weitergegangen. Endlich ist auch der ländliche Weg Körbelitz ausgebaut worden und der Hohlweg in Schermen.

Was steht fürs neue Jahr an?

Die Brötchen, die wir backen können, werden, wie schon erwähnt, immer kleiner. Große Projekte lassen sich nur noch mit Fördermitteln verwirklichen. Davon profitiert im neuen Jahr vor allem Lostau. Nach den Flutschäden sind dort einige Straßen und Gehwege zu erneuern. Am Alten Eisenbahndamm wird der landseitige Weg ausgebaut, um der Deichverteidigung zu dienen. Im Frühjahr soll endlich auch das Oberlicht der Hohenwarther Sporthalle erneuert werden. Das kostet auch fast 200 000 Euro. Und nach wie vor brennt uns die Erweiterung der Möseraner Grundschule auf den Nägeln. Leider sind wir 2014 nicht in den Genuss von Fördermittel gelangt. Aber mindestens vier Klassenzimmer müssen dort neu geschaffen werden. Ein Grundstück hat die Gemeinde schon gekauft.