Das Jerichower Land ist ein klein wenig sicherer geworden. Laut Polizei gab es im Vorjahr 5800 Straftaten - 200 weniger als 2013. Zwei von drei Fällen haben die Kriminalisten aufgeklärt: Auch einen skurrilen Fall aus Biederitz.

Burg/Genthin l Heute verschwindet ein BH von der Wäscheleine, morgen ein Höschen und nächste Woche ein Dessous. Augenscheinlich interessierte sich im vorigen Sommer ein Dieb für Damenwäsche. Für einige Wochen war dies Thema Nummer eins in Biederitz. Mit langen Fingern schlich sich der Täter über Zäune auf die Grundstücke, schnappte sich ein Wäschestück und verschwand in der Dunkelheit.

Wie so oft in solchen Fällen sind die Ermittler auf Zeugenhinweise angewiesen. "Die Menschen haben in dieser Zeit tatsächlich ganz genau hingesehen", sagt Jeannette Fricke. Die Kripoleiterin am Burger Polizeirevier erzählt: "Es gab auch Leute, die auf ihren Grundstücken Kamaras installiert hatten, um den Wäschedieb zu erwischen." Tatsächlich dauerte es nicht lange, bis ein Zeuge die Polizei auf die richtige Spur brachte: Die Handschellen klickten für einen jungen Mann (20). Er hatte in seiner Wohnung 74 solcher Wäschestücke gehortet. Für die Polizei bedeutet dies: Fall aufgeklärt. Für den Rest sind die Gerichte zuständig. Diese Geschichte gehört zu den knapp 3400 aufgeklärten Taten der Polizei in der Revierstatistik des Jahres 2014.

Revierleiter Christian Fenderl stellte die Zahlen am Donnerstag in Burg vor. "Etwa die Hälfte aller Straftaten im Jerichower Land sind Diebstähle", sagte der Polizeioberrat.

Gut zu tun hatten die Polizisten im vergangenen Jahr mit Anzeigen wegen Sachbeschädigung (930) und wegen Schlägereien beziehungsweise Körperverletzung (860).

Den klassischen Mord und Totschlag gibt es anscheinend nicht im Jerichower Land. In der Statistik tauchen lediglich zwei Fälle "gegen das Leben" auf. Die Kripo ermittelt nach dem Tod einer Frau in Burg, ob es sich um einen medizinischen Behandlungsfehler handelt. Die zweite Geschichte spielte im Maßregelvollzug für psychisch kranke Straftäter in Lochow bei Möckern: Hier gab es eine massive Schlägerei unter Insassen, die die Ermittler als versuchten Totschlag einordnen.

Ein Thema, das die Polizei durchgängig beschäftigt, sind Einbrüche in Häuser und Wohnungen. In den vergangenen Wochen haben die Beamten sechs Einbrecher nacheinander gefasst. Die gehen allerdings erst in die Statistik für dieses Jahr ein. Im vergangenen Jahr gab es im Landkreis 177 Wohnungseinbrüche. 41 davon fanden am Tage statt. Revierleiter Fenderl: "Da haben wir es mit organisierte Kriminalität zu tun. Solche Banden spähen zunächst den Tatort aus und schlagen zu, wenn die Bewohner unterwegs sind."

Fakt ist aber auch: Solche Verbrecher lassen die Unterwäsche auf der Leine hängen.

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