Burg l Wie eine knorrige Märchentruhe knarrt die hundertjährige Treppe ins Obergeschoss des Burger Landratsamtes. Die Augen des Besuchers auf den Stufen kommen nicht an ein märchenhaftes Motiv vorbei: "Frühling in Mümmelshagen", heißt ein Bild, das seinen Betrachter auf die Reise in ein dörfliches Morgentaueinsammeln schickt.

Am Ende der knarrenden Stufen erwartet Michaela Meves-Tauch ihre Vernissage-Gäste. Die Malerin aus Hermsdorf bei Magdeburg sagte: "Zum Mümmelmann-Bild gibt es eine kleine Geschichte für Kinder. Und wer weiß, vielleicht werde ich sie eines Tages veröffentlichen."

In Mümmelshagen fühlt sich der Frühling bunter an als in Burg. Die Arbeiten von Michaela Meves-Tauch sind weit entfernt von den klassischen Malweisen: "Ich würde es als moderne Acrylmalerei bezeichnen, die ohne Tupftechnik auskommt", sagte sie im Volksstimme-Gespräch. In Mümmelshagen sind die Farben der Blüten noch ein bisschen knalliger, der Gartenzaun vor dem roten Haus wirkt jungfräulich unberührt. Es blüht, es lebt - aber keine Spur von Lebewesen mit Wirbelsäulen. Doch: Ein zartes Häschen blinzelt hinterm Zaun hervor. Doch Hoppel ist wohl eher in der Schokofabrik geboren, als im Hasenbau. Noch nie hat ein Mensch das Haus in Mümmelshagen betreten. Das gilt für alle Bilder von Michaela Meves-Tauch. Sie sagt: "Menschen liegen mir nicht. Meine Bilder prägen Landschaften, Bäume und Blüten, manchmal auch Tiere." Großes Thema bei Meves-Tauch ist die Ostsee zwischen Sanddorn und Reetdächern mit ihren einladenden Sandstränden.

"Solche Ausstellungen bringen immer wieder Leben ins Haus", sagte Landrat Steffen Burchhardt. "Und ich bin ein Fan von kreativen Lösungen. Dazu gehört die Art und Weise der Malerin, den Rahmen mit Farben ins Bild zu integrieren." Beeindruckt habe Burchhardt "die faszinierende Farbfreude und die positive Grundstimmung" der Bilder: "Ja, ich fühle mich an unseren Sommerurlaub erinnert."

Auf die Frage, was ihre Bilder transportieren sollen, sagte die Künstlerin: "Gute Laune! Ich hoffe, dass es dem Betrachter gut geht, wenn er sich eines meiner Bilder anschaut."

An ihren Bildern arbeitet sie gern abends und noch später: "Wenn ich eine Idee habe, muss ich sie sofort umsetzen. Also stehe ich manchmal mitten in der Nacht auf und bringe meine Vision im Pyjama auf die Leinwand."

Laut ihrer Vita hat Michaela Meves-Tauch einen ganz soliden Beruf erlernt: Damenmaßschneiderin. Unterricht in der Malerei bekam sie unter anderem von einem Künstler auf Burg Giebichenstein in den 80er Jahren. Zwei Jahre lang absolvierte die gebürtige Gardelegenerin ein Malerei-Fernstudium an der Anderson-Akademie in Hamburg.

Mit ihren Bildern ist sie jetzt zum zweiten Mal im Jerichower Land. Vor gut einem Jahr hingen ihre Werke in der Kulturwerkstatt Gommern. Aktuell kamen die Arbeiten von einer Ausstellung in Neubrandenburg. Wo sie schon einmal in Burg ist, ließ sie sich den Besuch von Innenminister Stahlknecht nicht entgehen. Mit ihm besichtigte sie die neue Leitstelle und sagte: "Außer Farben fasziniert mich auch die moderne Technik."

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