Probleme bei der Gleichstellung der Frau, Diskriminierung von Männern und die Notwendigkeit eines Internationalen Frauentages - pünktlich zum 8. März werden diese Aspekte jährlich diskutiert. Über diese und andere Themen sprach Volksstimme-Volontär Christopher Kissmann mit der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Burg, Christine Uzunow.

Volksstimme: Frau Uzunow, welche Aufgaben fallen für eine Gleichstellungsbeauftragte an?

Christine Uzunow: Ich helfe dort, wo Probleme entstehen, die mit der Gleichstellung von Menschen zu tun haben. Egal, ob die Themenfelder Frau und Mann, die Integration von Migranten oder Behinderten - Gleichstellungsarbeit ist ein umfassendes Aufgabengebiet, bei dem eine gute Netzwerkarbeit notwendig ist. Das ist manchmal gar nicht so einfach, weil der Posten nur noch mit einem verminderten Stundenanteil ausgeübt wird.

Volksstimme: Warum wurde gekürzt? Ist Gleichstellung in Burg nicht mehr gefragt?

Uzunow: Das würde ich nicht behaupten. Aber auch im Verwaltungsbereich muss gespart werden. Mit einer vollen Stelle könnte ich sicherlich größere Aufgabenfelder bearbeiten, was jetzt so nicht möglich ist.

Volksstimme: Welche konkreten Maßnahmen gibt es?

Uzunow: Es gibt in diesem Sinne keine groß angelegten Programme. Ich versuche viel mit Vereinen und Verbänden zusammenzuarbeiten, jeden Einzelfall individuell zu betrachten und Hilfe zu leisten.

Volksstimme: Wie sieht diese Hilfe aus?

Uzunow: Meistens werde ich von Bürgern zu einem Problem um Rat gefragt. Ich versuche dann, die entsprechenden Stellen zu kontaktieren und mit den Betroffenen kurzfristig nach Lösungen zu suchen.

Volksstimme: Welche allgemeinen Probleme lassen sich für Burg benennen?

Uzunow: Die, die auch bundesweit existieren. Frauen bekommen für die gleiche Arbeit noch immer geringere Löhne als Männer. Ebenso sind es oft die Frauen, die wegen der Kinder zu Hause bleiben und Probleme haben, nach der Elternzeit wieder in den Beruf einzusteigen. Die Möglichkeit des Elterngeldes für Männer ist da immerhin schon ein Fortschritt. Klar ist aber auch: Nicht alle Probleme werden an mich herangetragen.

Volksstimme: Zum Beispiel beim Thema "Häusliche Gewalt"?

Uzunow: Ja, da liegt die Dunkelziffer wohl deutlich höher, als mir konkrete Fälle bekannt sind. Helfen kann man meistens erst, wenn eine Situation schon eskaliert ist. Aber es ist gut, dass wir ein Frauenhaus in Burg haben: An diesem Zufluchtsort wird hervorragende Arbeit geleistet. Geschultes Personal kümmert sich um bedürftige Frauen, hilft ihnen und begleitet sie zum Beispiel bei Behördengängen.

Volksstimme: Gleichstellung ist ja nicht nur ein "Frauen-Thema". Gibt es auch Diskriminierung von Männern?

Uzunow: Mit Sicherheit, allerdings kontaktieren mich fast nur Frauen. Ich möchte aber bei allen Gleichstellungsproblemen helfen. Angesprochen fühlen können sich auch Männer.

Volksstimme: Seit dem ersten Frauentag vor 100 Jahren ist viel passiert. Braucht es ihn denn überhaupt noch?

Uzunow: Solange Themen wie gleiche Löhne noch immer nicht geklärt sind, auf jeden Fall. Frauen haben in der Geschichte, oft auch mit der Unterstützung von Männern, sehr engagiert für ihre Rechte gekämpft. Aktuelle Probleme sollten am Frauentag auch weiterhin diskutiert werden. Denn das hat nicht zuletzt auch eine Signalwirkung an andere Länder in dieser Welt, in denen Frauen eine schlechtere Stellung haben als in Deutschland.