Mit einem Sängertreffen am 18. Mai feiert der Männergesangsverein Engersen seinen 95. Geburtstag. Doch es gibt nicht nur Anlass zur Vorfreude, sondern gleich mehrere Gründe zur Sorge.

Engersen l Rainer Rodzis, langjähriger musikalischer Leiter des Engersener Männergesangsvereins, hat während der Hauptversammlung am Sonnabendabend seinen baldigen Rückzug angekündigt. Er nannte gesundheitliche Gründe. Doch störe ihn auch die Disziplin während der Übungsabende.

Ein noch größeres Problem, so Rodzis, sei aber der Nachwuchsmangel. Der Verein zählt nur noch 18 aktive Mitglieder. Als er am 2. Februar 1919 gegründet wurde, waren es 42, drei Jahre später sogar schon 116, wie Versammlungsleiter Eckhard Roitsch informierte.

"Einigen kommen Geselligkeit und Frohsinn zu kurz."

Und er nannte neben dem demografischen Wandel einen weiteren möglichen Grund für die negative Entwicklung der Mitgliederzahl: "Einigen kommen Geselligkeit und Frohsinn in unserem Chor zu kurz", so Roitsch. Doch in dem Zusammenhang erinnerte der alte und neue Vorsitzende, Herbert Herzmann (Volksstimme berichtete gestern), an die bevorstehenden Jubiläumsfeierlichkeiten. Und er forderte seine Sangesbrüder auf, zahlreich mit ihren Partnerinnen zum Kommers zu erscheinen, der am 16. Mai aus Anlass des 95. Vereinsgeburtstages im Dorfgemeinschaftshaus geplant ist. Der Aufwand der Organisation lohne nämlich nicht, wenn nur wenige die Gelegenheit zum Mitfeiern nutzen würden, so der Vorsitzende.

Zwei Tage nach dem Kommers, am 18. Mai, soll es dann auch ein großes Sängertreffen am Dorfgemeinschaftshaus geben. Die Einladungen an die zwölf Gastchöre werden in diesen Tagen verschickt.

Und auch Rainer Rodzis erklärte, dass er die Leitung des Chores nicht vor dem Jubiläum aufgeben wolle. Zwar gibt es mit Sangesbruder Volker Gille jemanden, der Rodzis vertreten könnte. Doch gilt dies nur saisonal. Denn während der Sommermonate arbeitet er als Schwimmmeister und steht damit für Übungsabende und Auftritte nicht zur Verfügung.

Für kurze Ablenkung sorgte am Sonnabendabend Schatzmeister Wolfgang Reboné. Er hatte einen 100-Mark-Schein dabei, der noch neun Jahre älter ist als der Chor selbst. Diesen ließ er bei der Versammlung herumgehen. Zugleich mahnte er aber: "Wenn es uns nicht immer wieder gelingt, Geldgeber zu finden, geht unser Chor vor die Hunde. Allein aus Mitgliedsbeiträgen kann er sich nicht finanzieren." Der Verein sei weiter auf die Hilfe der Kommune angewiesen. Die war bis Ende 2013 vertraglich festgeschrieben. Nun muss mit der Stadt Kalbe neu verhandelt werden.