Bereits im Sommer des kommenden Jahres können sich Dialysepatienten aus dem Raum Gardelegen weite Wege sparen. Gestern wurde der Bau eines Dialysezentrums vertraglich besiegelt. Das Stendaler Nierenzentrum und das Gardeleger Altmark-Klinikum investieren rund 1,4 Millionen Euro in dieses Projekt.

Stendal l Für Heidemarie Hentrich war es gestern eine "richtig gute Nachricht": Drei Mal wöchentlich muss sie den Weg nach Stendal auf sich nehmen. Die Kalbenserin ist Dialysepatientin und fühlt sich im Nierenzentrum der Rolandstadt gut betreut. "Ich habe mich hier prima eingewöhnt", sagt sie. Dass sie ab dem kommenden Jahr ihre vertrauten Schwestern und Ärzte in Gardelegen findet, freut sie deshalb um so mehr. Denn das Team um Dr. med Dipl.-Psych. Ulrich Watermann, Dr. med. Alexander Krainz, Dr. med. Stephan Wolter wird im Frühjahr 2015 auch in einem neu gebauten Dialysezentrum auf dem Areal des Gardeleger Altmark-Klinikums zu finden sein. Geplant sind zunächst 20 Dialyseplätze. Gestern wurde durch die drei Fachärzte für Innere Medizin und Nephrologie sowie Klinik-Geschäftsführer Matthias Lauterbach der Kooperationsvertrag zwischen beiden Einrichtungen unterzeichnet.

Rund 1,4 Millionen Euro werden investiert

Damit steht dem Baubeginn nichts mehr im Weg - außer dem ehemaligen Domizil des Rettungsdienstes hinter dem Verwaltungstrakt. Diese Baracke werde abgerissen, erläuterte gestern Matthias Lauterbach. Noch in diesem Frühjahr soll dann an dieser Stelle mit dem Bau des 645 Quadratmeter großen Gebäudes begonnen werden.

Und dafür nehmen sowohl das Altmark-Klinikum als auch die Gesellschafter des Nierenzentrums viel Geld in die Hand. Insgesamt fließen 1,4 Millionen Euro in das Projekt. 896000 Euro investiert das Altmark-Klinikum in Abriss, Neubau sowie die Sanierung der Zufahrt für den Rettungsdienst. Rund 531000 Euro muss die Stendaler Ärztegemeinschaft in die dialysespezifische, medizinische Ausstattung stecken.

Verhandlungen begannen vor acht Jahren

Mit den vier Unterschriften, die gestern unter den Kooperationsvertrag gesetzt wurden, geht übrigens eine Zeit jahrelanger Verhandlungen zu Ende. Denn Gespräche über eine mögliche Kooperation, die über die derzeitige Sprechstunde im Altmark-Klinikum hinausgeht, gibt es seit sage und schreibe acht Jahren.

Vor etwa zweieinhalb Jahren wurden diese Gespräche nach einigen personellen Wechseln, sowohl im Altmark-Klinikum, als auch im Stendaler Nierenzentrum, wieder intensiviert, erläutert Dr. Alexander Krainz. Nun waren es die bürokratischen Hürden, die die Sache verzögerten. Es ging um lediglich sechs Kilometer. Eine Niederlassung dürfe nur 30 Kilometer entfernt sein", so Krainz. Zwischen der Gemeinschaftspraxis in Stendal und dem Gardeleger Krankenhaus lagen 36 Kilometer. Prompt lehnte die Kassenärztliche Vereinigung den Antrag ab. Erst eine Sondergenehmigung macht das Projekt nun doch noch möglich.

"Profitieren werden davon in erster Linie unsere Patienten, betonte gestern Dr. Stephan Wolter. "Einige von ihnen kommen auch aus Klötze oder Oebisfelde. Sie sind also mehr als eine Stunde unterwegs." Eine Dialyse dauere etwa vier bis fünf Stunden. "Das sind dann richtig lange Tage." Kürzere Fahrtzeiten sorgen also direkt für mehr Lebensqualität.

Dialyse soll Gefäßchirurgie ankurbeln

Ein weiterer Pluspunkt: "Wir können schnell vor Ort sein, wenn zum Beispiel ein Patient intensivmedizinisch betreut wird, oder auch, wenn er mit einem Beinbruch im Krankenhaus liegt", zählt Krainz auf.

Auch Klinik-Geschäftsführer Matthias Lauterbach bezeichnet die künftige Kooperation als "ideales Beispiel für die Verzahnung ambulanter und stationärer Behandlung". So sei ein Teil der Dialysepatienten auf eine gute Gefäßchirurgie angewiesen, deren Nachfrage wiederum das Profil des Altmark-Klinikums ankurbeln könne. "Ich denke, beide Seiten erwarten, dass die Zusammenarbeit eng wird", fasste Dr. Alexander Krainz zusammen.

Bauzeit beträgt neun bis zehn Monate

Und die wird lange dauern. Vertraglich festgelegt sind 25 Jahre. "Da haben alle natürlich ein hohes Sicherheitsbedürfnis", erklärte Lauterbach. Die Ausarbeitung des Vertrages dauerte deshalb ebenfalls geraume Zeit.

Nun aber könne es losgehen. Noch im Frühjahr soll mit den Abrissarbeiten begonnen werden. "In neun Monaten haben wir dann unser Baby", so Stephan Wolter augenzwinkernd. In diesem Zeitraum soll der Rohbau nämlich fertig, spätestens Ende Juni 2015 die erste Dialyse möglich sein.