Gardelegen l Eine Facebook-Gruppe sorgt in Gardelegen für Wirbel. Sie richtet sich gegen das Asylbewerberheim in der Stadt. Einige Gardeleger sind verärgert - so wie Christian Glatz. "Am Anfang warnte die Seite vor einer \'Asylflut\' in Gardelegen", sagt der Stadtrat (Gemischte Fraktion). "Rechnet mal nach, wie viel Asylbewerber es in Gardelegen gibt. Man, man, was das soll", schrieb er eine Nachricht an die Gründer der Gruppe Nein zum Heim in Gardelegen.

"Auf der Seite geht es aber nur gegen Ausländer", sagt Glatz. Seit ein paar Wochen leben in Gardelegen 22 Asylbewerber und vier Flüchtlinge. Die Familien kommen aus dem Iran, dem Irak, Albanien und Syrien. Ein paar von ihnen sollen bald in Wohnungen umziehen, ihre Plätze im Heim werden dann wieder belegt, vor allem von Bürgerkriegsflüchtlingen aus Syrien. Glatz will am Montag die Facebookseite im Stadtrat ansprechen. "Ich hoffe, dass wir ein Zeichen setzen", sagt der Jävenitzer.

Wer die Seite gegründet hat, ist nicht klar. Der oder die Autoren wollten dazu öffentlich keine Stellung nehmen und lehnten ein Gespräch ab. Dabei gibt es Hinweise, dass die Gruppe von Menschen mit rechtsradikalen Hintergrund eröffnet worden ist. So verbreiteten sie zum Beispiel Artikel der Zeitschriften "Junge Freiheit" und "Zuerst". Vor allem letztere gehört dem rechtsextremen Spektrum an.

"In der Facebookgruppe geht es vor allem um Fremdenhass. Sie wollen Angst in den Köpfen schüren", sagt Peter L. (Name der Redaktion bekannt). L. stammt aus Gardelegen und studiert auswärts. Mit einem Mitstudenten hat er die Gruppe "Pro Asyl Gardelegen - Die weltoffene Perle der Altmark" eröffnet. Seinen Namen möchte L. nicht in der Zeitung lesen. Aus Angst, dass seine Familie bedroht werden könnte, wie er sagt.

Peter L. will Treffen organisieren. Er hat zur Kirche Kontakt aufgenommen. Am besten fände er Initiativen, die den Flüchtlingen helfen. Er geht davon aus, dass viele, die die Seite gegen das Heim angeklickt haben noch nie mit einem Asylbewerber gesprochen haben. "Begegnungen sind das Beste gegen Vorurteile", findet der Student. An der anderen Seite stört ihn noch mehr: "Sie treffen keine Unterscheidung zwischen Migrant, Asylbewerber und Flüchtling. Für sie sind alles einfach Ausländer. Und Sie löschen alle Gegenargumente."

Auf der "Nein zum Heim"-Seite kommen auch Menschen zu Wort, die von ihren Sorgen erzählen. So schildert ein Gardeleger eine Situation nach der Wende. Damals sei er von mehreren Ausländern bedroht worden. "Die Lage ist überhaupt nicht vergleichbar", sagt Gardelegens Bürgermeister Konrad Fuchs. Damals habe es Probleme mit Kriminalität gegeben. Heute kommen vor allem junge Familien und bitten um Asyl. Überhaupt findet er die Seite sehr bedenklich. 503 Ausländer leben in der Einheitsgemeinde mit ihren knapp 24000 Einwohnern. Das sind nur gut zwei Prozent. "Sie bringen Leben in die Stadt und kaufen hier ein", sagt Fuchs. Viele Ausländer arbeiten in der Stadt und zahlen hier Steuern, so zum Beispiel Polen von der Firma Boryszew - dem ehemaligen AKT.