In Schutzanzügen kämpften gestern 21 Fachleute in einem Kalbenser Putenmastbetrieb gegen die Vogelgrippe. Das Szenario war zum Glück nur eine Übung, und zwar die erste, die beide Altmarkkreise in Sachen Tierseuchenschutz gemeinsam organisiert haben.

Kalbe l Den Putenmastbetrieb nördlich von Kalbe erreicht man nur zu Fuß. Das Auto muss stehen bleiben. Schon mehrere hundert Meter vor den Stallanlagen werden Passanten von der Kalbenser Feuerwehr aufgehalten. "Geflügelpest Sperrbezirk!" warnt ein Schild. Außerdem haben die Kameraden ein Seuchenschutzbecken aufgebaut, das über die gesamte Straßenbreite reicht. Auf dem Hinweg darf es noch umgangen werden. Auf dem Rückweg "müssen aber alle hier durch", sagt einer der Feuerwehrmänner streng. Dass sich wenige Minuten später trotzdem so mancher davor drückt, mit Straßenschuhen durch das knöcheltiefe Wasser zu waten, lassen die Helfer dennoch durchgehen. Schließlich ist das Ganze gestern nur eine Übung. Eine sehr realistische allerdings.

"Vermutet wird das hochpathogene Influenzavirus mit den Subtypen H5 und H7."

Hans Thiele, Kreisdezernent Salzwedel

Denn auch in den Ställen läuft alles genauso ab, wie es im Ernstfall passieren müsste, wenn das "hochpathogene Influenzavirus mit den Subtypen H5 und H7" tatsächlich in den Ställen vermutet würde. Das nämlich sei der fiktive Grund für die "erste gemeinsame Tierseuchenbekämpfungsübung beider Altmarkkreise", erläutert Hans Thiele, Dezernent in Salzwedel, der gestern das Szenario mit anderen Beobachtern aus beiden Kreisen verfolgt: "Am Montag haben alle Teilnehmer schon die Theorieübung hinter sich gebracht", jeder in seinem Landkreis. "Nun folgt heute der praktische Teil", informiert Thiele. Und der mutet doch ziemlich gruselig an: Denn die 21 Mitarbeiter beider Veterinärämter nehmen in weißen Schutzanzügen bei etwa zehn echten Puten echte Blut- und Tupferproben und verschließen die in luftdichten Behältnissen. Anschließend wird sogar die Dekontamination realistisch nachgestellt. Dabei hilft die Feuerwehr Klötze, die mit ihrem Dekontaminationszelt angerückt ist und es vor Ort auch aufgebaut hat.

Und in diese feuerrote Dusche müssen dann tatsächlich auch alle Teilnehmer hinein: "Und wer einmal drin ist, wird auch nass gemacht", verspricht Rüdiger Wührl, Sachgebietsleiter für Brand- und Katastrophenschutz im Altmarkkreis schmunzelnd.

Die vermummten Tierärzte und Fachleute nehmen es gelassen und schreiten mutig voran. Schließlich hätten sie im Ernstfall auch keine Chance, um die Dusche herumzukommen.

Die erste, die sich im Dekontaminationszelt abwaschen und im Anschluss von einem der Klötzer Kameraden aus dem nassen Anzug helfen lässt - das ist allein nämlich nicht zu schaffen - ist gestern Dr. Susanne Lehner, Sachgebietsleiterin für Tierseuchenbekämpfung im Altmarkkreis Salzwedel. "Die Frisur ist zwar hin", sagt sie lachend. Dass sie und ihre Fachkollegen den Ablauf im Ernstfall einmal ganz praktisch üben dürfen, findet sie aber gut. Allein das Anlegen der Schutzanzüge ist nämlich kein einfaches Unterfangen. Die aber müssen sein. Auch wenn das Virus, das hier vermutet wird, auch durch die Luft übertragen werden könne, "haftet doch an der Kleidung das meiste an", erläutert sie. Genau aus dem Grund werde der erste Schutzanzug auch bereits auf dem Stallgelände ausgezogen, ergänzt Hans Thiele. Der dürfe im Ernstfall das Areal gar nicht mehr verlassen, werde sofort entsorgt.

"Für mich könnte ein Ausbruch von Vogelgrippe existenz-bedrohend sein."

Stefan Daries, Stallbesitzer in Kalbe

Dass dieser Ernstfall übrigens gar nicht so weit im Bereich des Unwahrscheinlichen liegt, wissen die Teilnehmer und Organisatoren nur zu gut. Denn der jüngste Fall von Vogelgrippevorkommen auf deutschem Boden liegt erst wenige Jahre zurück. Auch damals gab es Schutzmaßnahmen und Einsätze in der Altmark. "Wenn man dann solche Seuchenwarnschilder aufhängt, wie ich heute Morgen, wird einem schon ganz anders", versichert Stefan Daries, Besitzer der Putenmastanlage, in der gestern geübt wird. Für ihn, davon ist der Kalbenser überzeugt, "könnte ein Ausbruch der Vogelgrippe existenzbedrohend sein". Und deshalb habe er auch nicht gezögert, als Mitarbeiter des Altmarkkreises Salzwedel mit der Bitte an ihn herangetreten seien, einen seiner Ställe für diese Seuchenschutzübung der Altmarkkreise zur Verfügung zu stellen.

In dem Stall befanden sich gestern allerdings nicht mehr als "eine Handvoll Puten", sagt Daries. Im Falle eines echten Seuchenverdachtes sähe das aber sicher ganz anders aus.

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