Sollten innerhalb der nächsten zehn Kalendertage keine Kandidaturen mehr eingehen, könnten neun Ortschaften ab Juni 2014 ohne Ortschaftsvertretung dastehen. Die Verwaltung weist derzeit auf die fehlenden Kandidaten hin - handeln müssen indes die Bürger.

Gardelegen l Wenn am 25. Mai die Wähler in der Einheitsgemeinde Gardelegen ihre Stimmzettel ausfüllen, müssen die Einwohner der Ortsteile besonders viele Kreuze machen. Wählen dürfen sie nämlich nicht nur das Europaparlament, den Kreistag und den Stadtrat, sondern auch die künftigen Vertreter ihres Dorfes - wenn es denn Kandidaten dafür gibt.

Zehn Tage vor Ablauf der Einreichungsfrist für die Kommunalwahl sieht es nämlich aktuell so aus, als ob neun Ortschaften der Einheitsgemeinde künftig auf eine Vertretung verzichten wollen. Während es für 17 der 26 Ortschaften zumindest einen oder auch schon einige Bewerber gibt, hat sich für Kloster Neuendorf, Jeggau, Sachau, Wiepke, Sichau, Roxförde, Seethen, Berge und Hemstedt noch kein einziger Kandidat gefunden, wie die für die Wahlen zuständige Stadtverwaltungsmitarbeiterin Heidi Wiechmann gestern mitteilte: "Wir haben eine ganz schlechte Resonanz, was die Kandidaturen für die Ortschaftsräte betrifft", mahnt sie. Und die Zeit wird knapp: "Am 31. März um 18 Uhr läuft die Frist ab." Man könne den Bürgern deshalb nur raten: "Kümmert euch schnell, damit ihr einen vernünftigen Ortschaftsrat habt."

Dabei hatten die derzeitigen Ortschaftsräte eigentlich erst vor wenigen Monaten deutlich zum Ausdruck gebracht, dass sie Wert auf eine eigene Vertretung legen. Im vergangenen Herbst hatten sie Wünsche äußern können, wie viele Mitglieder ihr Ortschaftsrat künftig haben soll. "Die haben wir dann auch so berücksichtigt", erinnert Wiechmann. Im Dezember erst hatte der Stadtrat die Satzung dahingehend geändert. Zwischen drei (Hottendorf) und neun (Letzlingen oder Mieste) bewegt sich die Zahl der Sitze seither. Dieselben Leute, die das beschlossen hätten, würden sich in einigen Orten nun kurz vor der Wahl aber offensichtlich nicht mehr dazu bekennen, so Wiechmann weiter. Denn es fehlten massiv Bewerbungen.

Lediglich für vier Ortsteile (Dannefeld, Köckte, Schenkenhorst und Wannefeld) sei die Zahl der Kandidaten bislang erreicht. Für weitere Orte, so zum Beispiel Letzlingen, sei das auch noch zu erwarten, räumt Wiechmann ein. Für andere Orte sieht die Fachfrau indes schwarz.

Dabei habe es sich die Verwaltung nicht leicht gemacht. "Es sind alle Unterlagen ausgegeben worden. Und wir haben sogar von uns aus Wählergruppen angesprochen", sagt Wiechmann. Letztere, auch darauf macht die Verwaltungsfachfrau noch einmal aufmerksam, seien gegenüber den Einzelkandidaten nämlich die sicherere Option, nach der Wahl auch tatsächlich einen handlungsfähigen Ortschaftsrat zu haben. Denn neben der Zahl der Kandidaten komme es auch auf die Stimmverteilung an (siehe Infokasten, rechts).

"Wenn jemand Probleme hat, soll er uns anrufen. Wir werden helfen!"

Und eine solche Liste (zum Beispiel Liste Feuerwehr oder Liste Sportverein) aufzustellen, sei derzeit immer noch zu schaffen, versichert Wiechmann. "Wenn jemand Probleme hat, soll er uns anrufen. Wir werden helfen!"

Die Beratung hinsichtlich der Vorgaben, aber auch zu Themen wie den nötigen Unterstützungsunterschriften oder ähnlichen Fragen, gibt es im Gardeleger Rathaus jederzeit kostenlos während der Sprechzeiten.

Zu erreichen sind Heidi Wiechmann und ihre Kollegin Waltraud Tiersch unter der Nummer 03907/716143.