Kalbe l Die Einheitsgemeinde Kalbe hat seit 3. März die Genehmigung, auch bei offiziellen Amtshandlungen jene Flagge zu führen, die das bisherige Wappen der Stadt Kalbe zeigt. Die jedoch hat somit kein Recht mehr darauf.

"Die Stadt Kalbe hat das Recht an ihrem Wappen, das sie jahrhundertelang geführt hat, verloren. Denn die Einheitsgemeinde hat dieses Wappen übernommen." Das hat der Kommunal-Heraldiker Jörg Mantzsch im Nachgang der jüngsten Ortsbürgermeister-Konferenz mitgeteilt.

Dort hatte er die Anwesenden darüber informiert, dass es seit rund zwei Jahren die Möglichkeit gibt, dass auch Ortschaften oder repräsentative Organisationen ein rechtlich abgesichertes Wappen erhalten. Es würde in die Deutsche Wappenrolle des Herold Berlin (wissenschaftlich tätiger Verein, d. Red.) eingetragen und wäre damit geschützt. Allerdings dürfte dieses Wappen dann nur außerhalb von offiziellen Amtshandlungen genutzt werden, so Mantzsch.

Wie er erklärte, sei Wappenrecht Ländersache. Und in Sachsen-Anhalt sei es so geregelt, dass das offizielle Führen eines Wappens beziehungsweise einer Flagge beim Landeshauptarchiv beantragt werden müsse. Erst wenn es vonseiten dieser Gutachterstelle das Einverständnis gäbe, könne ein Genehmigungsverfahren über die Kommunalaufsicht des jeweiligen Landkreises erfolgen.

"Uns ist das leider viel zu spät aufgefallen."

Und so sei es ja kürzlich auch im Fall der Einheitsgemeinde Kalbe geschehen, die bis dato kein Recht besessen habe, eine offizielle Flagge zu führen. Nun dürfe sie ihr Hoheitszeichen, in dem sich das Kalbenser Wappen befinde, aber auch bei offiziellen Amtshandlungen, in deren Rahmen zum Beispiel Beurkundungen stattfänden, einsetzen. Die Kommunalaufsicht habe das ja am 3. März genehmigt, so Mantzsch. Ob es klug war, sich dabei einfach des Wappens der Milde-Stadt zu bedienen, das wollte er nicht offiziell kommentieren. Er wies in diesem Zusammenhang aber auf die schwierige Materie hin. Doch Kalbes Ortsbürgermeister Mirko Wolff gab unumwunden zu: "Uns ist das leider viel zu spät aufgefallen."

Er und seine Mitstreiter vom Ortschaftsrat müssen sich nun etwas Neues einfallen lassen. Denn Kalbe benötigt ein Wappen, das nicht identisch mit dem der Einheitsgemeinde Kalbe sein darf. Wie Jörg Mantzsch gestern erklärte, habe es diesbezüglich auch schon Kontakt zwischen ihm und Mirko Wolff gegeben. Denn natürlich sollte die Erstellung eines Hoheitszeichens, das dann auch in der Deutschen Wappenrolle eingetragen werde, von einem Fachmann mit heraldischen Kenntnissen begleitet werden. Dies gehe mit entsprechenden Kosten einher, "die aber verhandelbar sind", so Mantzsch.

Er ist optimistisch, dass sich für die Milde-Stadt, die bislang das Kalb und den Adler im Wappen trug, eine Lösung finden lässt, die ihrem bisherigen Hoheitszeichen recht nahe kommt und mit dem die Kalbenser dann auch gut leben könnten. Er werde jetzt entsprechende Vorschläge erarbeiten, sagte der Kommunal-Heraldiker.

Dasselbe gilt auch für die Ortschaft Kakerbeck, die seit vielen Jahren ein inoffizielles Wappen hat. Es zeigt ein Hufeisen in Anspielung auf den erfolgreichen Pferdesport, eine Forelle in Bezug auf den Kakerbecker Mühlenbach und eine Kiefer als Symbol für die waldreiche Gemarkung. Offiziell eingetragen ist dieses Wappen laut Ortsbürgermeister Ulf Kamith aber nicht. Wie er sagte, solle aber versucht werden, dies bis Ende Mai in die Wege zu leiten.

Denn im Juni feiert die Ortschaft in Form eines Festes der Vereine ihr 620-jähriges Bestehen. Und spätestens da soll das Kakerbecker Wappen dann zum Einsatz kommen. Es wäre ja schließlich keine offizielle Amtshandlung. Und was die Kosten für das Wappen angehe, so Kamith, "suchen wir jetzt einen Finanzier".